Flottenstrategie Personenverkehr.

Die Flotte des Personenverkehrs soll bis 2030 von heute rund 20 auf sechs bis sieben Fahrzeugtypen reduziert werden. Dies, um die Züge für die Passagiere klarer zu unterscheiden und um Komplexität und Kosten zu reduzieren.

Zudem soll die Verfügbarkeit weiter erhöht und das Lebenszyklus-Management der Flotte verbessert werden. Die Flottenstrategie ist eingebettet in die Gesamtstrategie der SBB, welche den Kundennutzen und eine konsequente Serviceorientierung in den Vordergrund stellt.

Welche Züge kommen wo zum Einsatz?

Eigenschaften

Eurocity

Intercity/Interregio

Regio-Express

Regio/S-Bahn

Einsatzbereich International National Überregional Regional
Stossrichtung Bequemlichkeit Regelmässigkeit Erreichbarkeit Häufigkeit
Reisezeit
> 2h (Ø Reisezeit) ~40’ ~ 25’ ~ 20’
Frequenz ≥ stündlich (Angebot) 30 - 60’ (langfristig 15 - 60’) 30 - 60’ 7.5’ - 30’ / 60’
Schwerpunkt Komfort Komfort und Kapazität Kapazität Kapazität
Flotteneigenschaften

Einstock-Triebzüge

 


Kapazitätsstarke Doppelstock-Triebzüge Spurt- und kapazitätsstarke Doppelstock-Triebzüge Spurt- und kapazitätsstarke Einstock-Triebzüge
Geschwindigkeit Max. 249 km/h Standard 200 km/h Standard 160 km/h Standard 160 km/h
Weitere Informationen Neigetechnik, wo zwingend erforderlich und kundenorientiertes Zonenkonzept Intercity mit Verpflegung, Ruhe- und Familienzone Unbegleitet Komfortable Stehplatzflächen; unbegleitet
Beispiel

ETR 610, neuer Triebzug Nord-Süd

FV-Dosto

Regio-Dosto

Flirt

Welche Herausforderungen bestehen?

Das Anspruchsniveau der Fahrgäste und Besteller bezüglich Komfort und Services steigt laufend. Was gestern noch begeisterte, ist heute schon normal (z.B. Steckdosen, Klimatisierung, Kundeninformations-Bildschirme). Höhere Kunden- und betriebsseitige Anforderungen wie auch strengere Normen und Gesetze verstärken den Trend hin zu komplexerem Rollmaterial. Dies bedingt eine Weiterentwicklung der Instandhaltungskonzepte und führt zu Investitionen in die Anlagen und zusätzlichen Aufwendungen in der Instandhaltung. Die Beschaffung von neuem Rollmaterial ist geprägt durch einen beschränkten Anbietermarkt und Lieferverzugsrisiken. Gleichzeitig steigt der Kostendruck und die Finanzierung wird schwieriger. Die SBB versucht mit der aktuellen Flottenstrategie, Wirtschaftlichkeit und Kundenbedürfnisse in Einklang zu bringen.

Warum können Züge in der Hauptverkehrszeit nicht einfach verlängert werden?

Die SBB hat eine kleine Reserve an Wagen, die angehängt werden können. Nicht jeder Zug lässt sich verstärken: Triebzüge verkehren entweder in Einfach- oder Mehrfachtraktion, d.h. sie können nicht nach jedem Wagen geteilt werden. Im Fernverkehr verkehren diverse Züge mit einer Lok und elf Wagen. In den Spitzenzeiten gibt es sogar Züge mit bis zu 17 Wagen. Dazu kommt: Lange Züge brauchen lange Perrons. In gewissen Bahnhöfen passen Züge mit Zusatzwagen nicht ans Perron.

Wie viel von den teuren Flotteninvestitionen tragen die Fahrgäste (höhere Billettpreise)?

Neues Rollmaterial kostet natürlich, diese Kosten müssen aus dem Geschäft heraus generiert werden. Treiber für die gestiegenen Billettpreise sind aber hauptsächlich die höheren Trassenpreise / Infrastrukturkosten sowie die Kosten im Regionalverkehr.

Wie setzen Sie das Behindertengleichstellungsgesetz um?

Die SBB setzt das Behindertengleichstellungsgesetz aus dem Jahr 2004 um und nimmt dazu laufend Anpassungen beim Rollmaterial, der Infrastruktur und der Fahrgastinformation vor. Ausserdem sind immer mehr Bahnhöfe mit baulichen Massnahmen so angepasst, dass sie einen barrierefreien Zugang zu den Zügen erlauben. Reisende mit eingeschränkter Mobilität werden bis Ablauf der Anpassungsfrist Ende 2023 Züge mit erleichterten Zugangsbedingungen vorfinden – dank Niederflureinstieg, grosszügigen Platzverhältnissen für Rollstuhlfahrer in den Zugangsbereichen und an den Rollstuhlplätzen, Lautsprecherdurchsagen für Blinde und Sehgeschwächte, Informationsmonitoren für Hörgeschädigte und behindertengerechten Toiletten.

Wie energieeffizient sind Ihre Züge?

Die SBB unterstützt die Energiestrategie 2050 des Bundes. Wichtige Stossrichtungen sind das Energiesparen als Voraussetzung für einen Ausstieg aus der Kernenergie sowie die Förderung erneuerbarer Energien. Ziel ist es bis 2025 20% des Energieverbrauchs der SBB (= 600 GWh) einzusparen und den Bahnstrom ausschliesslich mit erneuerbarer Energie zu decken. Damit diese ehrgeizigen Ziele erreicht werden können, bezieht die Rollmaterialstrategie Energieeffizienzkriterien mit ein.

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