Kostensenkungsmassnahmen bei SBB Cargo.

SBB Cargo reagiert mit einem Kostensenkungsprogramm auf die unbefriedigende Geschäftsentwicklung. Das Unternehmen hat eine Kostenreduktion in den nicht direkt operativen Bereichen beschlossen und fokussiert das Bedienungsnetz im Wagenladungsverkehr Schweiz (WLV) flächendeckend auf die Bedürfnisse der verladenden Wirtschaft. Bis im Juni 2006 sollen bei SBB Cargo 590 Stellen abgebaut werden, weitere 60 Stellen bei SBB Infrastruktur. Der Abbau erfolgt ohne Entlassungen. Insgesamt erwartet SBB Cargo von diesen und weiteren Massnahmen eine Ergebnisverbesserung von jährlich rund 85 Millionen Franken und ein ausgeglichenes Finanzergebnis ab 2007.

Ende August hatte SBB Cargo über den Rückschlag in der Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr informiert und eine Prüfung von einschneidenden Massnahmen angekündigt [mehr]. Die Gründe für die unbefriedigende Geschäftsentwicklung von SBB Cargo liegen in den fallenden Preisen, dem Nachfragerückgang, den Optimierungsanstrengungen der Kunden und den Produktivitätsfortschritten der Strasse.


Preiserosion und Umsatzverluste

Bei den Erträgen ist SBB Cargo mit einer negativen Entwicklung konfrontiert. Die Gründe dafür liegen in der anhaltenden Preiserosion und einem gleichzeitigen Nachfragerückgang. Die Ursachen für den Nachfragerückgang und die damit verbundenen Umsatzverluste liegen einerseits bei strukturellen Veränderungen und bei Optimierungsanstrengungen der Kunden. Andererseits verschärfte sich im Wettbewerb zwischen Strasse und Schiene der Konkurrenzdruck schneller als erwartet. Die Strasse erreichte mit der Erhöhung der Gewichtslimite auf 40 Tonnen massive Produktivitätsfortschritte, die durch die Erhöhung der LSVA nur ungenügend kompensiert wurden. SBB Cargo konnte die negative Preisentwicklung und die Ertragseinbussen in der Vergangenheit zum Teil mit Produktivitätsfortschritten kompensieren. Eine andere Stütze bildeten die Subventionen des Bundes für den Wagenladungsverkehr. Diese werden aber von CHF 47 Mio. im Jahre 2005 bis ins Jahre 2008 auf Null abgebaut. Damit fällt auf der Ertragsseite eine wichtige Kompensationsmöglichkeit für die fallenden Preise weg.


Kosten- und Ertragsentwicklung

Mit Blick auf die geschilderte Ertragssituation im Wagenladungsverkehr Schweiz ist das Kostenniveau bei SBB Cargo zu hoch. Dies betrifft einerseits die Kosten in den nicht direkt operativen Bereichen, als auch die Kosten für das Bedienungsnetz im Wagenladungsverkehr Schweiz. SBB Cargo rechnet heute für 2005 mit einem Defizit im hohen zweistelligen Millionenbereich. Dieses widerspricht dem Auftrag des Eigners, ein ausgeglichenes Finanzergebnis zu erzielen. Die erwarteten Defizite sind für das Unternehmen bedrohlich. Um das Ziel unter den gegebenen Umständen zu erreichen, ist SBB Cargo gezwungen, seine Kostenstruktur schnell und nachhaltig zu verbessern.


Beschlossene Massnahmen

  • Strukturkosten senken
    Mit einem Abbau in den nicht direkt operativen Bereichen passt SBB Cargo seine Kosten der veränderten Umsatz- und Ertragssituation an. Dies betrifft die klassischen Overhead-Bereiche und weitere zentrale Funktionen wie Produktionsplanung und -steuerung, Auftragsabwicklung und IT. Optimierungen werden sowohl in der Zentrale Basel, als auch in der Fläche angestrebt. Die Prüfung von Massnahmen erfolgte auf der Basis eines Benchmarking mit einem erfolgreichen Unternehmen von vergleichbarer Grösse. SBB Cargo senkt in den untersuchten Bereichen die Strukturkosten um rund 30 Millionen Franken. Das Projekt «Strukturkosten» wurden am 26. Oktober 2005 durch den Verwaltungsrat SBB genehmigt.
  • Wagenladungsverkehr Schweiz fokussieren («Grundnetz Plus»)
    Zusätzlich muss SBB Cargo die Kosten für das Bedienungsnetz im Wagenladungsverkehr Schweiz senken. Heute wickeln 50% der Bedienungspunkte 97% des Umsatzes ab. SBB Cargo richtet das neue Bedienungsnetz flächendeckend an den Bedürfnissen der verladenden Wirtschaft aus. Eine eingehende Überprüfung von verschiedenen Varianten hat ergeben, dass die optimale Grösse des Bedienungsnetzes von SBB Cargo bei 323 Punkten liegt («Grundnetz Plus»). Über dieses Netz können 95 Prozent des heutigen Verkehrsvolumens abgewickelt werden. Durch neue Produktionskonzepte wie Ring- und Sammelzüge wird es unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Flexibilität der Kunden, Mindestmenge pro Zustellung) möglich sein, zusätzlich einzelne Punkte ausserhalb des «Grundnetzes Plus» anzufahren. In jedem Fall ist die Voraussetzung der Bedienung die Wirtschaftlichkeit. Die Einführung des «Grundnetz Plus» erfolgt per 28. Mai 2006. SBB Cargo erwartet dadurch eine Ergebnisverbesserung von 20–25 Millionen Franken.

    Als weiterer kostentreibender Faktor wirken die Preise der Privatbahnen (KTU). SBB Cargo bietet den Kunden heute Gesamtleistungen an, inkl. Streckenanteil der KTU, welcher durch SBB Cargo eingekauft wird. Die Einkaufspreise liegen hier im Durchschnitt um einen Fünftel über dem Kostenniveau von SBB Cargo. Mit der Rhätischen Bahn RhB konnte bereits ein künftiges Modell für die Zusammenarbeit vereinbart werden. Damit können beide Bahnen ein individuelles Angebot an ihre Kunden unterbreiten. SBB Cargo wird die Gespräche mit den übrigen KTU weiterführen.

    Im Zusammenhang mit den Freiverladen ist SBB Cargo weiterhin im Gespräch mit der Holz- und Waldwirtschaft, um hier eine optimale Lösung zu erarbeiten.

    Die flächendeckende Fokussierung wurde in engem Dialog mit betroffenen Kunden geprüft. SBB Cargo führte Gespräche mit gegen 550 der insgesamt ca. 3500 Kunden. Sie repräsentieren einen Umsatzanteil von mehr als 80 Prozent im Wagenladungsverkehr Schweiz. Die Gespräche werden fortgesetzt, um für möglichst viele Kunden eine optimale Lösung für ihre Transportbedürfnisse zu finden.

    Der Verwaltungsrat SBB hat die Variante «Grundnetz plus» des Projekts Fokussierung Wagenladungsverkehr genehmigt und SBB Cargo beauftragt, ab Januar 2006 mit der Umsetzung zu beginnen. Der Verwaltungsrat nahm auch zur Kenntnis, dass die Aufrechterhaltung des Status Quo des heutigen Bedienungsnetzes eine Subvention von jährlich CHF 90 Mio. erfordern würde, d.h. auf den geplanten Abbau der Subventionen von CHF 47 Mio. müsste verzichtet und zusätzliche Subventionen von CHF 43 Mio. müssten gesprochen werden. Mit dem beschlossenen zeitlichen Vorgehen – Umsetzung ab Januar 2006 – will der Verwaltungsrat ermöglichen, dass eine eventuelle Bestellung des Wagenladungsverkehrs durch den Bund (Aufrechterhaltung des Status Quo) berücksichtig werden kann.
  • Neupositionierung Service Rollmaterial
    Um die Kostenstruktur weiter zu verbessern, überprüft SBB Cargo die Ausrichtung des Bereichs Service Rollmaterial. Die Arbeiten für die zukünftige Positionierung sind angelaufen. Beschlüsse sind im Frühjahr 2006 zu erwarten.
  • Wachstum im internationalen Nord-Süd-Verkehr
    International führt SBB Cargo seinen Wachstumskurs auf der Nord-Süd-Achse fort und entwickelt die internationalen Verkehre weiter. SBB Cargo erwartet eine anhaltend hohe Wachstumsrate bei der Verkehrsleistung auf der Nord-Süd-Achse (22,2 Prozent im 1. Halbjahr 05). SBB Cargo verstärkt ihre Vertriebskapazitäten in Deutschland, sowie Italien und arbeitet laufend an der Optimierung der Produktion im internationalen Verkehr.


Auswirkungen der Massnahmen

Die Umsetzung der Massnahmen im Bereich Strukturkosten führt zu einem Abbau von 230 Stellen, rund 100 davon in der Zentrale Basel und rund 50 im Kunden Service Center in Fribourg. Die flächendeckende Fokussierung des Wagenladungsverkehrs führt zu einem Abbau von rund 360 Stellen. Insgesamt werden somit bei SBB Cargo 590 Stellen abgebaut. Weitere 60 Stellen fallen bei SBB Infrastruktur weg. Dabei besonders betroffen ist der Standort Biel. Die Auswirkungen des Projekts Service Rollmaterial auf das Personal sind gegenwärtig noch nicht abzuschätzen.

Der Stellenabbau bei SBB Cargo und Infrastruktur erfolgt ohne Entlassungen. Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden von den zuständigen Fachstellen der SBB aktiv unterstützt. Die Massnahmen umfassen u.a. die Begleitung im Bewerbungsprozess sowie die Beratung und Unterstützung in der beruflichen Neuorientierung. Wo möglich bietet SBB Cargo betroffenen Mitarbeitern die Frühpensionierung an. Bei der Umsetzung arbeitet SBB Cargo eng mit der Personalkommission zusammen. Für die Neuorientierung der betroffenen Mitarbeiter und die Frühpensionierungen werden Rückstellungen von 78 Mio. Franken vorgenommen.

Die Einführung des «Grundnetz Plus» hat Auswirkungen auf die Infrastruktur. Das Rangiersystem für den Binnenverkehr kann optimiert und die Rangierungen können in verschiedenen Rangierbahnhöfen reduziert werden. Dadurch werden bei SBB Infrastruktur Einsparungen von rund sechs Millionen Franken pro Jahr erwartet.


Ausblick

Der Wagenladungsverkehr ist das Herzstück des Bahngüterverkehrs für die verladende Wirtschaft in der Schweiz. Er wird auch in Zukunft über 40 Prozent des Umsatzes von SBB Cargo ausmachen. Insgesamt kann SBB Cargo mit den beschlossenen Massnahmen eine Ergebnisverbesserung von jährlich rund 85 Millionen Franken erzielen und erwartet damit ab dem Jahr 2007 ein ausgeglichenes Finanzergebnis. Mit dem «Grundnetz Plus» kann SBB Cargo den Wagenladungsverkehr eigenwirtschaftlich und ohne Bundessubventionen betreiben, solange die Rahmenbedingungen (Nachtfahrverbot, 40-Tonnen-Limite, LSVA) in dieser Form bestehen.

Die vollständige Dokumentation der Medienkonferenz steht Ihnen auf der Website von SBB Cargo zur Verfügung [mehrLink öffnet in neuem Fenster.].

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