Rettungsübung im Simplontunnel.

Rund 270 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Sanität aus der Schweiz und aus Italien sowie der SBB-Betriebswehr sind heute Freitag um 16.16 Uhr zu einer unangekündigten Einsatzübung aufgeboten worden. Ziel der Rettungsübung im Simplontunnel: Chauffeure und Begleitpersonen aus einem Zug der Rollenden Landstrasse zu bergen, der im Simplontunnel wegen eines brennenden Lastwagens stecken geblieben war. Da der Tunnel während rund zwei Stunden für die Rettung gesperrt blieb, sind drei Züge ausgefallen. Die Übungsleitung zog eine vorwiegend positive Bilanz.

Das Sicherheitsniveau in den Schweizer Eisenbahntunnels ist hoch. Trotz der geringen Eintretenswahrscheinlichkeit kann ein Zwischenfall aber nie ganz ausgeschlossen werden. Bei einem Ereignis in einem Eisenbahntunnel wäre mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen. Umso wichtiger ist es, angemessene Sicherheitsstandards zu gewährleisten, welche die Ereignisverhinderung, die Ausmassminderung sowie die Selbst- und Fremdrettung umfassen. Mit einer grossen Rettungsübung wurden die entsprechenden Sicherheitsdispositive heute getestet. An der unangekündigten, gross angelegten Einsatzübung im Simplontunnel nahmen 270 Einsatzkräfte teil. Beteiligt waren schweizerischerseits neben der SBB, die Kantonspolizei Wallis, der Sanitätsstützpunkt Oberwallis, die Stützpunktfeuerwehr Brig und die Chemiewehr der Firma LONZA Visp. Die italienischen Blaulichtorganisationen von Polizei, Sanität und Feuerwehr erstellten Einsatzbereitschaft auf der Südseite des Simplontunnels bei Iselle di Trasquera.

Ziel der Übung war die Überprüfung der Einsatzkonzepte und der Zusammenarbeit aller beteiligten Dienste aus der Schweiz und Italien unter absolut realistischen Bedingungen. Für die Rettungskräfte galt es, im Simplontunnel einen raschen und wirkungsvollen Rettungseinsatz zu leisten. Spitäler und Medien wurden unmittelbar nach der Alarmauslösung über den Übungscharakter des Ereignisses informiert.


Übungsablauf

Heute um 16:16 Uhr löste das Fernsteuerzentrum im Bahnhof Brig  Alarm aus, nachdem ein Zug der Rollenden Landstrasse im Simplontunnel stecken geblieben war. Der Lokführer meldete den Brand eins Lastwagens und grössere Rauchentwicklung bei gleichzeitigem Ausfall des Fahrstroms.

Nach der Alarmierung trafen die ersten Fahrzeuge von Feuerwehren, Sanität und Polizei um 16:28 beim Nordportal des Simplontunnels ein. Die Fahrzeuge der italienischen Blaulichtorganisationen von Feuerwehr, Polizei und Sanität trafen um 16:31 beim Südportal des Simplontunnels ein und erstellten Einsatzbereitschaft. Die Rettungskräfte vom Nordportal des Tunnels begannen sofort mit der Organisation der Rettungsarbeiten aus dem Tunnel. Nach Angaben von Kurt Heinen, dem Kommandanten des Lösch- und Rettungszuges der SBB Brig, verliessen die Chauffeure und Begleitpersonen sowie der Lokführer den Zug und versuchten sich in Richtung Norden in Sicherheit zu bringen. Sie wurden rund 60 Minuten nach Brandausbruch durch die Mannschaft des Lösch- und Rettungszuges aufgenommen und zum Tunnelportal Nord gebracht. Eine Intervention von Süden her zur Rettung von Personen durch italienische Einsatzkräfte war nicht notwendig. Hingegen wären diese Rettungskräfte zur Löschung des Brandes am Zug zum Einsatz gekommen.

Der Simplontunnel blieb während des Rettungseinsatzes durch den in Brig stationierten Lösch- und Rettungszugs der SBB bis 18:00 Uhr gesperrt. Zwei internationale Reisezüge und ein Regionalzug fielen aus. Für die Reisenden wurde ein Ersatzdienst organisiert.


Fazit der Übungsleitung

Die Übungsleitung zog im Anschluss an die Rettungsübung vor den Medien ein überwiegend positives Fazit. Die Rettung der Chauffeure und Begleitpersonen aus dem langen Eisenbahntunnel sei «gut und effizient», verlaufen, sagte Rudolf Sturzenegger, Übungsleiter der SBB. Die Einsatzkräfte seien rasch am Einsatzort eingetroffen, hätten «umsichtig eine wirkungsvolle Schadensraumorganisation eingerichtet» und «die Rettung von Personen unverzüglich eingeleitet». Auch die Interventionsdienste der SBB seien mit dem Lösch- und Rettungszug aus Brig «innert der vorgesehenen Frist» vor Ort gewesen. Sturzenegger: «Die Übung hat gezeigt, dass das Interventions- und Rettungskonzept funktioniert. Die nötigen Vorkehrungen für Ereignisse im Simplontunnel sind getroffen worden. Die vorhandenen Mittel können entsprechend eingesetzt werden. Grösstes Problem bei einem solchen Ereignis ist die Kommunikation zwischen den Einsatzleuten draussen vor dem Tunnel und den Mannschaften im Tunnel drin. Noch nicht gelöst ist die Kommunikation zwischen den Chefs der Einsatzkräfte in der Schweiz und in Italien».

Die Rettungsübung bildet Teil der Ausbildung der SBB. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Rettungskräften stellt die SBB sicher, dass bei einem Zwischenfall in einem Eisenbahntunnel rasch und richtig interveniert wird. Entsprechende Übungen fanden 2001 im Gotthardtunnel, 2002 im Hauenstein-Basistunnel, 2003 im neuen Eisenbahntunnel zwischen Zürich und Thalwil und letztes Jahr im Önzbergtunnel auf der Neubaustrecke zwischen Olten und Bern statt.

Die Übungsleitung bedankt sich bei allen Rettungskräften für den engagierten grossen Einsatz.

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