7,5 Prozent mehr Reisende im Fernverkehr der SBB seit dem Fahrplanwechsel für Bahn 2000.

Immer mehr Kundinnen und Kunden reisen mit der SBB. Nach dem grossen Fahrplanwechsel für Bahn 2000 am 12. Dezember 2004 hat die Zahl der Reisenden im Fernverkehr der SBB dieses Jahr um 7,5 Prozent zugenommen. Auf einzelnen Strecken wie etwa zwischen Zürich und Bern wurde ein noch grösseres Wachstum verzeichnet. Insgesamt steigerte die SBB die Zahl der gefahrenen Personenkilometer um 9,4 Prozent. Diese Erfolgsbilanz des Bahn-2000-Fahrplans wird allerdings getrübt durch die grossen Betriebsstörungen, die das SBB-Jahr 2005 prägten. «Wir müssen die Qualität verbessern», erklärte SBB-Chef Benedikt Weibel heute in Bern vor den Medien.

Ein Jahr nach dem grossen Fahrplanwechsel für Bahn 2000 am 12. Dezember 2004 zogen die SBB-Verantwortlichen heute in Bern Bilanz. «Bahn 2000 ist ein Erfolg. Das haben die letzten zwölf Monate gezeigt», stellte Benedikt Weibel, Vorsitzender der Geschäftsleitung SBB, fest. Der von Grund auf neu gebaute Fahrplan habe sich als stabil erwiesen. Besonders erfreulich aber: Die Kundinnen und Kunden nutzen das erweiterte und verdichtete Bahnangebot auch vermehrt.

Noch nie reisten so viele Leute mit der SBB wie dieses Jahr. Das Wachstum der letzten Jahre konnte seit dem Fahrplanwechsel nochmals verstärkt werden. Wie der Leiter Personenverkehr SBB, Paul Blumenthal, ausführte, verzeichnete die SBB im Fernverkehr im Vorjahresvergleich eine Frequenzzunahme von 7,5 Prozent. Vor dem Fahrplanwechsel bewegten sich die jährlichen Wachstumsraten jeweils zwischen zwei und vier Prozent.

Ein noch grösseres Wachstum wurde im Verkehr über die vor Jahresfrist in Betrieb genommene «Neubau-Strecke» zwischen Mattstetten und Rothrist verzeichnet. Blumenthal spricht von einem «Neubaustrecken-Effekt» und bezifferte diesen – je nach Fahrziel – auf «neun bis zwölf Prozent». Ebenfalls besser ausgelastet sind auch die Fernverkehrszüge am Wochenende.

Im Vergleich zum Oktober 2004 lag die Zahl der Personenkilometer im Oktober 2005 im SBB-Fernverkehr um 11,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch der Regionalverkehr profitierte vom Fernverkehrskonzept «Bahn 2000» und legte um 4,6 Prozent zu. Insgesamt steigerte die SBB die Zahl der Personenkilometer um 9,4 Prozent.

Erfreulich auch die Entwicklung der General- und Halbtaxabonnements: Im November 2005 waren 291'600 GA im Umlauf, das sind 10'000 GA mehr als Ende 2004. Auch bei den Halbtax-Abos wurde ein Wachstum verzeichnet – von 1,904 Millionen Ende 2004 auf 1,983 Millionen Halbtax-Abos im November 2005.

Die von der SBB gemessene «Kundenzufriedenheit» blieb im Vergleich zum Vorjahr konstant: Bei Fragen der Sauberkeit und Sicherheit zeigten sich die Kunden 2005 tendenziell zufriedener als im Vorjahr. Hingegen waren mehr Kundinnen und Kunden unzufrieden mit dem Sitzplatzangebot sowie mit der Kundeninformation und dem Ereignismanagement im Störungsfall.


«Wir müssen die Qualität verbessern»

Trotz dieser Zahlen zieht die SBB eine selbstkritische Bilanz der zurückliegenden Monate. «Die Pünktlichkeit auf wichtigen Strecken war ungenügend. Zudem hatten wir zu viele Störungen. Und das Störungsmanagement war oft nicht optimal», sagte Benedikt Weibel, «wir müssen die Qualität verbessern.»

Die SBB hatte während der zurückliegenden Monate wiederholt mit grossen Störungen und mit Qualitätseinbussen zu kämpfen. Tiefpunkt bildete die Strompanne am 22. Juni 2005, die zum vorübergehenden Zusammenbruch des ganzen SBB-Netzes führte. Aber bereits im Januar und Februar führten ein Stellwerkausfall in Zürich sowie die grosse Kältewelle zu massiven Betriebsbehinderungen, von denen hunderttausende Kundinnen und Kunden betroffen waren. Ende August sorgte zudem das Hochwasser zur vorübergehende Stilllegung der Gotthard- und weiterer Strecken und verursachte Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. «Diese Grossereignisse haben aber mit dem neuen Fahrplan und Bahn 2000 nichts zu tun», sagte Weibel.

Wie der Leiter Infrastruktur SBB, Hansjörg Hess, ausführte, lag die durchschnittliche Pünktlichkeit auf dem SBB-Netz zwar auch in diesem Jahr über dem von Bund und SBB vereinbarten Zielwert von 95 Prozent: In der Zeit von Januar bis Ende November 2005 erreichten 95,64 Prozent der Züge innerhalb einer maximalen Fahrplanabweichung von weniger als fünf Minuten ihr Ziel. «Das ist aber ein Mittelwert und sagt nicht alles», erklärte Hess. Für die Beurteilung der Qualität seien noch andere wichtige Kennzahlen von Bedeutung, so etwa die Pünktlichkeit pro Linie und Tageszeit, die Zahl der verpassten Anschlüsse und die Zahl der vorzeitig gewendeten Züge und der Zugausfälle. So fielen 2005 auf tausend Züge durchschnittlich zwei bis drei Züge aus, wobei allerdings die Grossereignisse (Stellwerkpanne in Zürich, Strompanne, Unwetter) bei dieser Statistik ausser Betracht gelassen wurden. Auf einzelnen Strecken lag die Pünktlichkeit unter dem Durchschnittswert. Auf der Strecke Zürich–Bern etwa lag die Ankunftspünktlichkeit im September bei lediglich 91 Prozent, zwischen Bern und Lausanne bei 92 Prozent (Ankunft Lausanne) resp. 93 Prozent (Ankunft Bern).


«Grenzkosten grösser als Grenzerträge»

Für die Strecke Zürich–Bern setzte die SBB diesen Herbst eine «Task Force» ein – laut Hess mit dem Ziel, «die Qualität deutlich zu verbessern». Die Task Force untersuchte unter anderem die konkreten Ursachen für die auf dieser Strecke im November erlittenen Verspätungen: 28 Prozent der Verspätungen waren auf Wagendefekte, 9 Prozent auf Lokdefekte zurückzuführen. Weitere 11 Prozent standen im Zusammenhang mit den Infrastrukturanlagen (Stellwerke, Weichen, Signale etc.), und 6 Prozent der Verspätungen gingen auf diverse andere Gründe zurück. Knapp die Hälfte der Verspätungen (46 Prozent) aber betrafen Züge, die aufgrund verspäteter vorderer Züge vor geschlossenen Signalen warten oder mit reduzierter Geschwindigkeit verkehren mussten. «Bei Störungen reagiert das System noch empfindlicher als früher», stellte Hansjörg Hess fest, «wir stossen an Grenzen.» Ein zusätzlicher Angebotsausbau sei – so Hess – auf vielen Strecken nicht mehr möglich ohne Ausbau von Netz und Infrastruktur.

SBB-Chef Weibel wies in seinen zusammenfassenden Ausführungen auf eine Feststellung hin, «die zwar nicht neu ist, aber durchaus zu bedenken». Zwar liege der Betriebsertrag im Personenverkehr entsprechend der grösseren Nachfrage über dem Vorjahr. Es zeige sich aber, dass die Grenzkosten grösser seien als die Grenzerträge. Oder anders gesagt: Die Mehrerträge blieben hinter den Mehrkosten für den Betrieb des zusätzlichen Angebotes zurück. «Diese Tatsache, die auch ausländische Bahnen kennen, sollten sich alle bei der Planung künftiger Ausbauschritte immer vor Augen halten», sagte Weibel.

  • Präsentation der Medienkonferenz vom 9. Dezember 2005 in Bern.
  • Referate von Benedikt Weibel, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Hansjörg Hess, Leiter Infrastruktur und Paul Blumenthal, Leiter Personenverkehr.

Weiterführender Inhalt

Downloads.