Stadtbahn Zug: «Wir wollen rasch und entschlossen Abhilfe schaffen».

Die Stadtbahn Zug kämpft mit Startschwierigkeiten: Noch funktioniert nicht alles wie geplant. Vertreter der SBB, der Zugerland Verkehrsbetriebe ZVB und der Zuger Kantonsregierung informierten am Mittwoch gemeinsam über die in die Wege geleiteten Massnahmen zur raschen Lösung der anstehenden Probleme. Der Leiter Personenverkehr SBB, Paul Blumenthal, entschuldigte sich bei den Kundinnen und Kunden dafür, «dass wir Ihre Geduld wiederholt strapaziert haben».

Mit dem neuen Fahrplan für Bahn 2000 ging am 12. Dezember 2004 auch die neue Stadtbahn Zug in Betrieb: ein eng vernetztes Angebot von Bahn und Bus für die Kundinnen und Kunden im Grossraum Zug. Die SBB nahm mit dem neuen Fahrplan gleichzeitig auch neue Fahrzeuge, neue Haltestellen und ein neues Kundeninformationssystem in Betrieb.

Allerdings kommt es seit dem Start der neuen Stadtbahn Zug am 12. Dezember 2004 immer wieder zu Betriebsstörungen und Verspätungen. Einzelne Züge und Busse sind überfüllt. Die neue Kundeninformationsanlage funktioniert nicht richtig.

Vertreter von SBB und ZVB traten deshalb am Mittwoch zusammen mit dem Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zug, Regierungsrat  Walter Suter, vor die Medien. Sie informierten gemeinsam über die in die Wege geleiteten Massnahmen zur raschen Lösung der anstehenden Probleme.

Grundsätzlich sei «das vernetzte Bahn- und Busangebot im Kanton Zug mit seiner hervorragenden Infrastruktur eine erfolgsversprechende Sache», erklärte Regierungsrat Walter Suter. Die Fahrplangestaltung und die Vernetzung der ZVB mit der Stadbahn zu einer lückenlosen Transportkette funktionierten «grundsätzlich gut» und hätten sich «weitgehend bewährt». Doch «die beim Betrieb der Stadtbahn aufgetretenen Mängel bereiten uns Sorgen», sagte Suter. Er habe anfangs Januar als Vertreter des Kantons bei der SBB «die festgestellten Unzulänglichkeiten gerügt und die vollständige Einhaltung unseres Vertrags über den Betrieb der Stadtbahn Zug ausdrücklich verlangt.»

Paul Blumenthal, Leiter Personenverkehr SBB und Mitglied der SBB-Geschäftsleitung, entschuldigte sich «im Namen der SBB bei unseren Fahrgästen dafür, dass die Stadtbahn bisher nicht immer so funktioniert, wie wir es versprochen haben». Er sei sich bewusst, sagte Blumenthal, «dass wir ihre Geduld wiederholt strapaziert haben». Dies sei der SBB «Verpflichtung, rasch und entschlossen Abhilfe zu schaffen».

Blumenthal ortete bei der Stadtbahn Zug in drei Bereichen «Anfangsschwierigkeiten»: Erstens beim Fahrplan und bei den Anschlüssen und Kapazitäten, zweitens bei der Verfügbarkeit des neuen Rollmaterials und drittens beim neuen Kundeninformationssystem.

Die SBB überprüften seit dem 12.12.2004 wiederholt den neuen Fahrplan für die Stadtbahn Zug. Dabei zeigte sich laut Werner Wildener, Fahrplanchef SBB, dass der Fahrplan «keine Systemfehler» beinhalte. Die Ursachen für den teilweise unstabilen Fahrplan seien «nicht auf den Fahrplan zurückzuführen», sagte Wildener.

Der Stv. Leiter Flottenmanagement SBB, Ruedi Beutler, schilderte die aktuellen Probleme mit dem Rollmaterial. Vereinbarungsgemäss würden die insgesamt zwölf speziell für die Stadtbahn Zug bestellten neuen Fahrzeugkompositionen des Typs FLIRT schrittweise in Betrieb genommen. Derzeit seien vier Züge im Einsatz. Es würden laufend neue Fahrzeuge in Betrieb gesetzt, sagte Beutler: «Ende Juni 2005 sind alle 11 FLIRT und das als technische Reserve vorgesehene zwölfte Fahrzeug abgeliefert und im Einsatz». Beutler sprach von «Kinderkrankheiten» der neuen Fahrzeuge. Er erwähnte mechanische Störungen bei Schiebetritten und Türen, aber auch Software-Probleme, die dazu führten, dass sich die Türen «nicht, zu spät oder zu langsam öffnen» – was immer wieder Abfahrtsverzögerungen zur Folge habe. Zudem seien die Voraussetzung, die neuen FLIRTS in Doppeltraktion einzusetzen, noch nicht vollumfänglich erfüllt: «Die Zahl der Störungen bei den Einzelfahrzeugen ist noch zu hoch. Die Störungen addieren sich bei Doppeltraktion zusätzlich», erklärte der Rollmaterialfachmann.

Beutler erwähnte, dass in effizienter Zusammenarbeit mit der Industrie seit Dezember 2004 zahlreiche Massnahmen bereits umgesetzt werden konnten und skizzierte die nächsten Schritte: Verbesserungsmassnahmen bei den Schiebetritten und den Türen würden bis morgen Donnerstag, 3. Februar 2005 ausgetestet und umgesetzt. Bis Freitag, 11. Februar würden die eingeleiteten Korrekturmassnahmen laufend analysiert und bei Bedarf ergänzt. Ab Montag, 14. Februar sei der «Einsatz in Doppeltraktion auf den wichtigsten Linien» – etwa Züge Cham ab 07.15 und Baar ab 07.30 – vorgesehen.

Auch die «Kinderkrankheiten beim Kundeninformationssystem» sollen rasch behoben werden, wie der zuständige Fachmann von Infrastruktur SBB, Hugo Inglin, erklärte: Seit Mitte Dezember hätten sich bereits «etliche Fehler korrigieren» lassen, und er sei «zuversichtlich, dass das System bis Mitte März stabil läuft». Auch die Herstellerfirma habe dies zugesichert, sagte Inglin. Dann könnten auch die Klebebänder «Testbetrieb», welche die Reisenden derzeit darauf hinweisen, dass die Zugsangaben noch unverbindlich sind, entfernt werden.

Hugo Berchtold orientierte als Unternehmensleiter der Zugerland Verkehrsbetriebe AG über die aktuellen Probleme aus der Sicht seines Unternehmens: Einzelne Buslinien «überlaufen in den Pendlerzeiten», sagte Berchtold. Zudem hätten auf die nachträglich eingesetzten Züge Zürich-Enge die Bus-Bahn-Anschlüsse «nicht optimal in das Transportkonzept eingepasst» werden können, und zu den Randzeiten und am Sonntag komme es an der Haltestelle «Metalli» zu «kundenunfreundlichen Wartezeiten». Doch – so Berchtold – «vor allem funktioniert das Gesamtsystem dort nicht, wo Anschlüsse auf oder von der Stadtbahn betroffen sind». Das Gesamtsystem der Stadtbahn Zug sei darauf angewiesen, dass «die Stadtbahn als Trambetrieb gefahren wird – jederzeit pünktlich, jederzeit verlässlich».

Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Walter Suter sieht in der «fehlenden Doppelspur zwischen Cham und Rotkreuz einen grossen Problemfaktor», denn auf Einspurstrecken habe die Verspätung eines einzelnen Zuges sofort Auswirkungen auf zahlreichen Gegen- und Folgezüge. «Wenn die Achse Zürich–Luzern auf einer leistungsfähigen Infrastruktur betrieben werden könnte, wären die Probleme der Stadtbahn und der InterRegio-Züge nur halb so gross», sagte die Regierungsrat.

Wie SBB-Personenverkehrchef Blumenthal sagte, «ist die Stadtbahn Zug bei der SBB Chefsache». Gemeinsam mit dem Leiter Infrastruktur SBB führe er die zuständige Taskforce, die – so Blumenthal – «die Stadtbahn Zug begleitet, bis das letzte Problem gelöst ist». Er zeigte sich zuversichtlich: «Wir sind auf gutem Weg.»

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