SBB Halbjahresresultat 2005: Trotz mehr Leistung tieferes Periodenergebnis.

Die SBB hat ihre Verkehrsleistungen im Personen- wie auch im Güterverkehr um 6.1 bzw. 13.5 Prozent gesteigert. Dennoch schliesst das erste Halbjahr 2005 im Vorjahresvergleich finanziell schlechter ab; das negative Gesamtperiodenergebnis belief sich auf -36.6 Mio. Franken (Vorjahr -18.2 Mio.). Massgebend für den höheren Halbjahresverlust sind verschiedene Faktoren: höhere Betriebskosten im Personenverkehr, tiefere Margen pro Nettotonnenkilometer im Güterverkehr und sinkende Leistungen der öffentlichen Hand. Zusätzlich belasten nach wie vor die Rückstellungen wegen der Pensionskasse SBB (66 Mio. Franken) und weitere Rückstellungsbildungen das Konzernergebnis.

Insgesamt entwickelte sich im ersten Halbjahr 2005 die Nachfrage nach Leistungen der SBB sowohl im Personenverkehr wie auch im Güterverkehr positiv. Die in den Zügen der SBB zurückgelegten Kilometer stiegen gemäss noch provisorischen Zahlen um 6.1 Prozent auf 6'519 Mio. Personenkilometer. Der neue Fahrplan für Bahn 2000 brachte im Fernverkehr 7.5 Prozent mehr Passagiere. Zwischen Zürich und Bern reisten gar rund elf Prozent mehr Kunden mit der Bahn.


Bahn 2000 bringt schrittweise Mehrerträge im Personenverkehr

Die Mehrerträge, die einerseits auf zusätzliche Reisende und andererseits auf die Tarifmassnahmen zurückzuführen sind, vermochten im ersten Halbjahr 2005 die Mehrkosten von Bahn 2000 nicht vollumfänglich zu kompensieren. Denn die Kosten für das Zusatzangebot fielen sofort an, die Mehreinnahmen folgen erwartungsgemäss erst verzögert. Während der Fahrplan für Bahn 2000 von einem Tag auf den anderen zu einem markanten Angebotsausbau führte, passt sich die Nachfrage naturgemäss nur schrittweise an das erweiterte Angebot an. Auch die Tarifmassnahmen per 12. Dezember 2004 schlagen wie üblich erst mit einer gewissen Verzögerung in der SBB-Rechnung zu Buche, da zahlreiche Kunden noch Abonnemente besitzen, die vor der Tarifanpassung gekauft worden sind. Zusätzlich profitieren die Besitzerinnen und Besitzer von Pauschalfahrausweisen vom erweiterten SBB-Angebot. Die Zahl der GA-Kunden nahm um 13'697 (5.1%) auf 279'864 zu. Der Umlauf von Halbtaxabonnementen stieg um 53'313 auf über 1,9 Mio. Abonnemente. Auch von diesem Mehrverkehr wird die SBB erst nach der Verteilung der Erträge aus dem direkten Verkehr profitieren. Zur Ertragssteigerung trugen auch die neu konsolidierten Tochtergesellschaften Cisalpino AGLink öffnet in neuem Fenster., TILO SA und die Zentralbahn AGLink öffnet in neuem Fenster. bei. Hingegen wird 2005 die Rechnung erstmals durch die Anhebung des Trassenpreises um insgesamt 60 Mio. Franken für den Personenfernverkehr (als Kompensation für den Wegfall der Marktdarlehen für Bahn 2000) zusätzlich belastet, was zu einer Verschlechterung des Halbjahresresultates um 30 Mio. Franken führt.


Hoher Margendruck durch Konkurrenz im Güterverkehr

Im Güterverkehr steigerte SBB Cargo die Verkehrsleistung im ersten Halbjahr 2005 ebenfalls beträchtlich um 13.5 Prozent auf 5'704 Mio. Nettotonnenkilometer. Die beiden Geschäftsfelder von SBB Cargo entwickelten sich unterschiedlich. Im vom Wettbewerb geprägten Nord-Süd Verkehr nahm die Verkehrsleistung stark zu und erreichte 3'809 Mio. Nettotonnenkilometer. Das sind 22.2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Geschäftsfeld Schweiz musste dagegen ein Rückgang der Verkehrsleistung um 0.7 Prozent auf 1895 Mio. Nettotonnenkilometer verzeichnet werden. Unerfreulich entwickelte sich insbesondere der schweizerische Wagenladungsverkehr (Binnenverkehr inkl. Ganzzüge), wo der Rückgang um 10.5 Prozent betrug.

Veränderungen der Kundenstruktur sowie die Erhöhung der Gewichtslimite im Strassenschwerverkehr von 34 auf 40 Tonnen – bei ungenügender LSVA – erhöhten den Druck auf die Preise, besonders bei schweren Gütern. Parallel dazu senkte der Bund die Subventionen an den Wagenladungsverkehr. Die Rahmenbedingungen für die Schiene haben sich insgesamt verschlechtert. Im internationalen Güterverkehr führte die Konkurrenzsituation zu stark reduzierten Margen. Aus diesen Gründen sind die Erträge pro Nettotonnenkilometer gesunken, woraus sich der Rückgang des Verkehrsertrags um 4.3 Prozent erklärt. Der Güterverkehr erleidet damit auf dem Weg zu dem vom Eigner in diesem Jahr geforderten positiven Ergebnis einen Rückschlag.

Die Infrastruktur verzeichnete beim Trassenverkauf eine gegenläufige Entwicklung von Personen- und Güterverkehr. Während die verkauften Trassen im Personenverkehr deutlich zunahmen, gingen sie im Güterverkehr zurück. Insgesamt lag die Zahl der verkauften Trassenkilometer mit 74.9 Millionen Trassenkilometern um 9.8 Prozent über dem Vorjahreswert.


Mehr Leistung erbracht, Ergebnis insgesamt verschlechtert

Während die Verkehrsleistungen wie dargelegt sowohl im Personen- wie im Güterverkehr spürbar zunahmen, gingen die Leistungen der öffentlichen Hand im ersten Halbjahr 2005 um insgesamt 63.4 Mio. Franken (-6.4%) zurück. Die Abgeltungen (für den Regional- und Huckepackverkehr) nahmen um 3.7 Mio. Franken auf 322.1 Mio. Franken ab. Die Leistungen des Bundes für die Infrastruktur reduzierten sich auf Grund des Entlastungsprogramms um 59.7 Mio. auf total 599.6 Mio. Franken.

Im ersten Halbjahr 2005 erzielte die SBB im Konzern einen Betriebsertrag von insgesamt 3'398.3 Mio. Franken (+0.5%); der Betriebsaufwand stieg um 1.7 Prozent auf 3'341.1 Mio. Franken. Das Betriebsergebnis «vor FER 16» (Rückstellungen für die Pensionskasse) von 57.2 Mio. Franken blieb hinter dem Vorjahresergebnis (96.4 Mio Franken) zurück. Aufgrund der anhaltenden Unterdeckung der Pensionskasse wurden gemäss dem von der SBB angewandten Rechnungslegungsstandard Swiss GAAP FER 16 Rückstellungen von 66 Mio. Franken vorgenommen. Zudem erfolgten für andere Bereiche weitere Rückstellungsbildungen in der Höhe von 15 Mio. Franken.

Das Betriebsergebnis «nach FER 16» beläuft sich für das erste Halbjahr 2005 auf ein Minus von 8.8 Mio. Franken, 32.7 Mio. Franken weniger als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Auch der EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) ging im ersten Halbjahr 2005 zurück und betrug -0.1 Mio. Franken (-100.4%). Das Gesamtperiodenergebnis fällt auf Grund der vorgenommenen Rückstellungen infolge der Unterdeckung der Pensionskasse SBB insgesamt ebenfalls negativ aus. Mit -36.6 Mio. Franken liegt das Periodenergebnis um 18.4 Mio. Franken unter jenem von 2004.

Das Total der Verkehrserträge im ersten Halbjahr 2005 beträgt 1'549.8 Mio. Franken. Das entspricht im Vorjahresvergleich einer Zunahme um 53.4 Mio. Franken (+3.6%). Im Personenverkehr wurde ein um 7.3 Prozent höherer Verkehrsertrag von 997.1 Mio. Franken erwirtschaftet. Im Güterverkehr lag der Verkehrsertrag mit 477.8 Mio. Franken um 4.3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Bereich Betriebsleistungen/Infrastruktur erzielte in den ersten sechs Monaten 2005 einen Betriebsertrag von 74.9 Mio. Franken (+9.8%). Der Betriebsertrag von SBB Immobilien stieg um 7.6% auf 271.7 Mio. Franken. Massgebend für das positive Periodenergebnis des Immobilienbereichs waren namentlich die erfolgreichen sieben RailCity-Bahnhöfe mit einem Umsatzplus von 4.3 Prozent sowie ein rigoroses Kostenmanagement.


Ausblick

Der Güterverkehr wird 2005 mit einem substanziellen Verlust abschliessen. Die nach wie vor zentrale Zielsetzung des Rechnungsausgleichs wird damit zeitlich verzögert und erfordert einschneidende Massnahmen, über die SBB Cargo separat informiert [mehr]. Wie erwähnt, belastet die Anhebung des Trassenpreises für den Personenfernverkehr die SBB-Rechnung im zweiten Halbjahr um weitere 30 Mio. Franken. Zudem wird sich auch der nach wie vor hohe Rückstellungsbedarf wegen der Pensionskasse SBB negativ auf das Geschäftsergebnis 2005 auswirken. Insgesamt dürfte das Konzernergebnis auch für das ganze Jahr 2005 negativ ausfallen.

Betrieblich setzt sich die SBB zum Ziel, den Bahnbetrieb auf dem hohen Niveau des Fahrplans zu konsolidieren. Grössere Betriebsstörungen sowie der schweizweite Stromausfall vom 22. Juni 2005 haben den Handlungsbedarf aufgezeigt. Die Massnahmen sind definiert und zu einem wesentlichen Teil bereits umgesetzt. Diese Arbeit gilt es im zweiten Halbjahr 2005 mit aller Konzentration und den nötigen Mitteln voranzutreiben.

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