Halbjahresergebnis SBB Cargo 2005: Rekordleistung und Rückschlag.

SBB Cargo verzeichnet im ersten Halbjahr 2005 ein Wachstum von 13,5 Prozent in der Verkehrsleistung, aber ein Minus von 4,3 Prozent im Güterverkehrsertrag. Das Unternehmen wird das Ziel «schwarze Null» Ende Jahr deutlich verfehlen. Einschneidende Massnahmen zur Kostenreduktion werden geprüft.

Die Geschäftsentwicklung von SBB Cargo im ersten halben Jahr 2005 ist von zwei gegenläufigen Trends gekennzeichnet. Im internationalen Verkehr auf der Nord-Süd-Achse Deutschland–Schweiz–Italien weist das Unternehmen ein starkes Wachstum der Verkehrsleistung von 22,2 Prozent aus. Im schweizerischen Wagenladungsverkehr (Binnenverkehr) ist hingegen ein Rückgang von 10,5 Prozent zu verzeichnen. In der Gesamtbilanz resultiert ein Plus der Verkehrsleistung von 13,5 Prozent.

Auf der Ertragsseite hat SBB Cargo im ersten Halbjahr 2005 einen Rückschlag zu verzeichnen. Der Güterverkehrsertrag ging gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent zurück. SBB Cargo wird das Ziel «schwarze Null» in diesem Jahr deutlich verfehlen. SBB Cargo ist somit mit einer gegenläufigen Entwicklung von Umsatz und Leistung konfrontiert.


Erfolg auf der Nord-Süd-Achse

Mit dem massiven Zuwachs der gefahrenen Tonnenkilometer hat SBB Cargo im ersten Halbjahr 2005 eine neue Spitzenleistung erreicht. Dieser Erfolg ist auf das starke Wachstum auf der Nord-Süd-Achse zwischen Deutschland und Italien zurückzuführen. Die beiden Tochtergesellschaften in Italien und Deutschland haben die von ihnen erbrachten Leistungen im Vergleich zur Vorjahresperiode massiv gesteigert. SBB Cargo Deutschland verzeichnete im ersten Halbjahr ein Plus von rund 290 Prozent, SBB Cargo Italia erbrachte gar eine Leistungssteigerung von 660 Prozent (gemessen in Nettotonnenkilometern).


Rückschlag im schweizerischen Wagenladungsverkehr

Während sich das gesamte Geschäftsfeld Schweiz stabil entwickelte (-0,7%), musste im schweizerischen Wagenladungsverkehr ein Rückschlag hingenommen werden. Die Verkehrsleistung im Wagenladungsverkehr ging um 10,5 Prozent zurück.

Gründe für diese Entwicklung sieht SBB Cargo vor allem in veränderten Strukturbedingungen. Zum einen hat die Einführung der 40-Tonnen-Limite eine deutliche Produktivitätssteigerung bei Strassentransporten ermöglicht. Die gleichzeitige Erhöhung der LSVA hat diese Produktivitätsgewinne der Strasse nur ungenügend kompensiert. Die am Markt erzielten Preise im schweizerischen Binnengüterverkehr sind seit Jahren unter Druck und sie sind auch im ersten Halbjahr 2005 weiter gesunken. Zum anderen haben sich auch die Kundenstrukturen verändert. Die Optimierungsanstrengungen in den Branchen Bau, Handel und Logistik führten bei SBB Cargo zu markanten Umsatzverlusten. Zusätzlich verschärft sich die Situation für SBB Cargo in den nächsten Jahren durch die geplante Reduktion der Bundesbeiträge für den Wagenladungsverkehr, die gemäss heutigem Planungsstand von CHF Mio. 69,5 im Jahr 2004 auf Null im Jahr 2008 reduziert werden sollen.

Aufgrund dieser Entwicklung kann SBB Cargo den schweizerischen Wagenladungsverkehr trotz bereits erfolgten, bedeutenden Produktivitätssteigerungen nicht eigenwirtschaftlich erbringen. Die Produktionskosten sind zu hoch und die erwirtschafteten Einnahmen aus den Verkehren decken die Ausgaben nicht. Der starke Verkehrsrückgang und der damit verbundene Ertragsverlust belasten das Ergebnis von SBB Cargo stark.


Massnahmenpaket in Prüfung

Die Entwicklung im Binnenverkehr zwingt SBB Cargo dazu, einschneidende Massnahmen zu prüfen. Diese sollen die Vorraussetzung schaffen, das Ziel eines ausgeglichenen Unternehmensergebnisses im Jahr 2007 zu erreichen. SBB Cargo prüft folgende Massnahmen:

  • Fokus: Wagenladungsverkehr ohne Subventionen
    Mit dem Projekt Fokus will SBB Cargo den flächendeckenden Wagenladungsverkehr stärker auf die Standorte und Bedürfnisse der verladenden Wirtschaft ausrichten, mit dem Ziel, diese Verkehre eigenwirtschaftlich und ohne Bundessubventionen betreiben zu können. In den kommenden Monaten wird SBB Cargo das Netzwerk für den schweizerischen Wagenladungsverkehr überprüfen. Rund 250 der insgesat 650 Bedienungspunkte bilden das Grundnetz, das unverändert bestehen bleibt. Diese Punkte, worüber SBB Cargo heute rund 80 Prozent ihres Verkehrsvolumens im Wagenladungsverkehr abwickelt, werden mit einer Bündelung der Verkehrsströme deutlich gestärkt. Die übrigen rund 400 Bedienungspunkte in der Schweiz werden auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft, einschliesslich der darüber bedienten Anschlussgleise. SBB Cargo rechnet damit, dass ein erheblicher Teil dieser Bedienungspunkte und Anschlussgleise die Kosten nicht deckt. Ebenfalls in die Prüfung einbezogen wird die Zustellung auf den Netzen anderer Eisenbahnunternehmen (EVU). Die Preise, die SBB Cargo heute anderen EVUs für die Wagenzustellung auf deren Streckennetz bezahlt, liegen über dem Niveau, das Kunden zu zahlen bereit sind. Sie müssen sehr deutlich reduziert werden.
    Vom Projekt Fokus nicht betroffen sind die Ganzzüge, die meisten kundenspezifischen Transportnetzwerke, das schnelle Nachtnetz Cargo Express und die kombinierte Transportdienstleistung Cargo Domino.
  • Reduktion der hohen Strukturkosten
    Die Kosten für die nicht direkt operativ tätigen Bereiche betragen bei SBB Cargo knapp 20 Prozent der gesamten Betriebskosten. SBB Cargo will diese Kosten stark senken.
  • Neupositionierung des Bereiches Service Rollmaterial
    Durch die geplante Fokussierung des Wagenladungsverkehrs wird SBB Cargo ihre Fahrzeugflotte reduzieren können. Damit fallen im Bereich Service Rollmaterial bedeutende Auftragsvolumina weg. Im Unterhaltsmarkt bestehen zudem europaweit Überkapazitäten, die einen starken Druck auf die Preise zur Folge haben. Das derzeitige Kostenniveau des Bereiches Service Rollmaterial ist demgegenüber zu hoch.

Das erwartete Wirkungspotential dieser Programme beträgt rund acht Prozent der bei SBB Cargo heute insgesamt anfallenden Kosten.


Weiteres Vorgehen

In den kommenden Monaten wird SBB Cargo zum Projekt «Fokus» mit Kunden Gespräche führen. Dabei werden auch mögliche Alternativen geprüft, wie zum Beispiel Bedienung ab anderen Bahnhöfen oder kombinierte Verkehrslösungen mit Cargo Domino oder ACTS. Weitere Gespräche führt SBB Cargo mit Vertretern von Bund und Kantonen sowie mit Branchenverbänden. Der Entscheid wird noch vor Ende November gefällt. Die Umsetzung ist auf Ende Mai 2006 vorgesehen.

Die genauen Auswirkungen der Massnahmen auf das Personal lassen sich erst nach erfolgter Prüfung abschätzen. SBB Cargo geht aber in jedem Fall von einem Stellenabbau aus. Wie bei der SBB üblich, wird es zu keinen Entlassungen kommen. Die Personalkommission und Sozialpartner werden laufend informiert und in die Umsetzung des Konzeptes mit einbezogen werden.

Die vollständige Dokumentation der Medienkonferenz stellen wir Ihnen auf der Website von SBB Cargo zur Verfügung [mehrLink öffnet in neuem Fenster.].

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