Neues Zugsicherungssystem vor dem Start.

Die SBB plant, im kommenden Juli auf der Bahn-2000-Neubaustrecke das neue Zugsicherungssystem ETCS Level 2 in Betrieb zu nehmen. Zu Beginn wird jeweils am späteren Abend vom alten Signalsystem auf ETCS umgeschaltet; im Vollbetrieb ab Ende Jahr soll ETCS dann täglich über 240 Züge zwischen Mattstetten und Rothrist überwachen. Mit der Einführung von ETCS leisten SBB und Industrie einen wichtigen Beitrag zur gesamteuropäischen Vereinheitlichung der heute noch länderspezifischen Zugsicherungssysteme und zum einfachen grenzüberschreitenden Einsatz von Triebfahrzeugen.

Das European Train Control System (ETCS) ist seit 2001 von der EU als Zugsicherungsstandard für das Ausrüsten neuer Strecken vorgeschrieben. Bis Ende 2007 werden in zehn Ländern über 20 Projekte umgesetzt und insgesamt 3000 km Bahnnetz mit ETCS ausgerüstet. Die Verkehrsminister von Holland, Deutschland, Italien und der Schweiz haben am 3. März 2006 eine Absichtserklärung unterschrieben, den Korridor Rotterdam–Genua bis 2012 durchgängig mit ETCS auszurüsten. Das neue, einheitliche Zugssicherungssystem soll in den nächsten 10 bis 12 Jahren in Europa auf 20'000 km Hauptstrecken die bestehenden 15 nationalen Systeme ablösen und dank einheitlicher Technik den grenzüberschreitenden Einsatz der Triebfahrzeuge erleichtern.

Die SBB und das Bundesamt für Verkehr (BAV) informierten heute Freitag die Medien anlässlich einer Demonstrationsfahrt über den Stand der Arbeiten in der Schweiz.


Führerstandssignalisierung für schnelles Fahren

2002 beauftragte die SBB die Firma Alstom, die 45 km lange Bahn-2000-Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist mit dem neuen europäischen Zugssicherungssystem ETCS Level 2 auszurüsten. Da das System Ende 2004 jedoch noch zu wenig ausgereift war, ging die Strecke mit konventionellen Aussensignalen und Maximalgeschwindigkeit von 160 km/h in Betrieb; die Inbetriebnahme mit ETCS Level 2 wurde um zwei Jahre verschoben.

ETCS ermöglicht es, die Geschwindigkeit auf der Neubaustrecke auf 200 km/h zu erhöhen. Dazu liefert das System dem Lokomotivpersonal alle Fahrinformationen ab dem Stellwerk über 31 GSM-Funkantennen direkt auf ein Display im Führerstand. In diesem Zusammenhang wird auch von einer Führerstandssignalisierung gesprochen. Parallel dazu ermöglicht das System eine Zugfolge von zwei Minuten, was die Kapazität der Strecke erheblich erhöht.


Tausende von Testfahrten, 468 Fahrzeuge ausgerüstet

In der Schweiz haben SBB und der Systemlieferant Alstom ETCS Level 2 in den vergangen zwölf Monaten auf der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist ausgiebig getestet. Parallel dazu wurde die für den Betrieb auf der Neubaustrecke nötige Flotte von 468 Fahrzeugen elf verschiedener Typen mit ETCS ausgerüstet. Nach dem Start mit ersten «Akzeptanz»-Tests im Mai 2005 folgten zwischen Juli und Dezember 600 «Schattenfahrten» sowie im Januar und Februar 2006 über 2000 fahrplannahe Fahrten mit acht Lokomotiven gleichzeitig auf der Strecke. Ziel dieser realitätsnahen ETCS-Fahrten war es, die Stabilität des Systems bei einer zum Fahrplanbetrieb vergleichbaren Last zu prüfen, Betriebsdaten zu gewinnen, Systemfehler zu entdecken sowie eine zunehmende Anzahl von Benutzern mit ETCS vertraut zu machen.

Die Resultate aus den fahrplannahen Fahrten stimmen die Verantwortlichen zuversichtlich mit Blick auf die geplante Inbetriebnahme von ETCS. Die Software weist keine sicherheitsrelevanten Fehler auf, und die ETCS-Ausrüstung der Fahrzeuge arbeitet stabil.

In den kommenden zwei Monaten werden die ETCS-Fahrten fortgesetzt. Im Juni werden nachts erstmals acht Züge parallel mit Tempo 200 auf der Neubaustrecke verkehren. Die Tests ermöglichen es, die Fahrzeug-Software weiter zu optimieren. Parallel dazu findet die Schulung von 2500 Lokomotivführern und 100 Personen im Fahrzeugunterhalt statt.

Der Wechsel von der heutigen konventionellen Aussensignalisierung zu ETCS auf der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist ist in Etappen geplant:

  • Ab Juli 2006: Aufnahme des fahrplanmässigen Personenverkehrs in Randstunden am Abend.
  • Ab Dezember 2006: Voller fahrplanmässiger Personenverkehr mit über 240 Zügen pro Tag. Die Höchstgeschwindigkeit ist vorerst auf 160 km/h limitiert.
  • Ab Dezember 2007: Endzustand mit ganztägigem fahrplanmässigem Betrieb. Erhöhung der Maximalgeschwindigkeit auf 200 km/h.

Betriebsbewilligung und Kosten Betriebsbewilligung und Kosten

Die bisherigen Investitionskosten für ETCS belaufen sich auf 610 Mio. Franken. In diesem Betrag enthalten sind Ausgaben für die Pilotstrecke Zofingen–Sempach, die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist, den Lötschberg-Basistunnel sowie die Umrüstung von 610 Fahrzeugen. Der Bund finanziert die Einführung von ETCS. Darüber hinaus amtet er als Aufsichtbehörde. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) führt die Plangenehmigungsverfahren durch und erteilt die Betriebsbewilligung. Zudem überwacht es den Bau, Betrieb und die Instandhaltung von Anlagen und Fahrzeugen mit Stichproben.

Am 25. November 2004 hat das BAV die Betriebsbewilligung für die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist für Fahrten mit maximal 160 km/h erteilt. Die Betriebsbewilligung für Fahrten mit maximal 200 km/h auf der Neubaustrecke ist im Juli 2006 geplant. Zuvor müssen allerdings die Sicherheitsnachweise erbracht werden und die Gutachter grünes Licht geben.

  • Präsentation der Medienkonferenz vom 21. April 2006

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