«Der Verkauf der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft an die Stadtwerke Konstanz ist eine gute und nachhaltige Lösung».

Für die Schweizerische Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft SBS gibt es eine konkrete gute Lösung, die den Fortbestand des Unternehmens und der Arbeitsplätze garantiert: Der Verkauf an die Stadtwerke Konstanz. Die SBB orientierte heute an einem Medienlunch in Romanshorn über Hintergründe des anstehenden Verkaufs. Seit der Gründung der SBS 1996 hat die SBB ihre Tochtergesellschaft auf dem Bodensee mit über acht Millionen Franken saniert und subventioniert.

Schifffahrt ist ein überaus schwieriges Geschäft – nicht nur auf dem Bodensee. Zusätzlich erschwert wird ein ökonomisches Wirtschaften, wenn wie auf dem Bodensee vier unabhängige Schifffahrtsgesellschaften tätig sind. «Das ist ökonomisch wenig sinnvoll», sagte Paul Blumenthal, Leiter SBB-Personenverkehr, heute in Romanshorn vor den Medien.

Die SBS AG wurde 1996 gegründet. Bis 31. Dezember 2002 erwirtschaftete das Unternehmen einen Verlust von 4,1 Millionen Franken – dies bei einem Jahresumsatz von rund 10 Millionen Franken. Der Verlust wurde von der SBB AG gedeckt. Gleichzeitig wendete die SBB AG 2002 zugunsten der SBS zusätzlich drei Millionen Franken auf für Sonderabschreibungen und Rückstellungen. Zudem leistete die SBB AG bei der Sanierung 2002 einen Darlehensverzicht von 1,5 Millionen Franken. Insgesamt subventionierte die SBB AG ihre Tochtergesellschaft bisher mit über acht Millionen Franken.

Nur dank Sanierung und Subventionierung durch die SBB schrieb die SBS 2003 und 2004 knappe Gewinne. 2005 waren die Werftaufträge rückläufig, zudem mussten Rückstellungen für die Pensionskasse Ascoop vorgenommen werden. Deshalb resultierte im zurückliegenden Geschäftsjahr ein Verlust von 650'000 Franken.

Weil die Schifffahrt auf dem Bodensee ein solch schwieriges Geschäft ist, suchte die SBB AG für den Verkauf eine verlässliche Partnerin, die dank Synergien und profunden Marktkenntnissen den Fortbestand des Unternehmens und die Erhaltung der Arbeitsplätze garantiert. Die Stadtwerke Konstanz, die selber bereits eine Schifffahrtsgesellschaft auf dem Bodensee betreiben, erfüllen diese Bedingungen und sind deshalb idealer Partner der SBB. Insbesondere die bei einer solchen Lösung möglichen Synergien – beispielsweise bei der Auslastung der Werftanlagen, bei der Schiffseinsatzplanung, bei der Gastronomie, bei der Treibstoffbeschaffung – bildeten eine tragfähige Grundlage für die Zukunft der SBS. Eine solche starke Basis ist auch Bedingung für die Förderung und Weiterentwicklung der Bodenseeschifffahrt im Interesse der Anliegergemeinden und des Kantons Thurgau. Für Paul Blumenthal ist deshalb klar: «Es gibt eine konkrete und nachhaltige Lösung für die SBS: der Verkauf an die Stadtwerke Konstanz. Deshalb streben wir diese Lösung an. Dabei ist uns der politische Rückhalt innerhalb des Kantons Thurgau und der Anliegergemeinden wichtig.»

Seit Frühling 2003 führte die SBB Verhandlungen mit den Stadtwerken Konstanz. Von Beginn an stiess die geplante Neuausrichtung beim Kanton Thurgau und den Bodensee-Anliegergemeinden auf Zustimmung. Zwar liegen inzwischen nahezu unterschriftsreife Vertragsentwürfe vor; zu einer Unterzeichnung der Verträge und damit zu einem Verkauf der SBS AG an die Stadtwerke Konstanz kam es nicht. Anfangs September 2005 änderte die Generalversammlung der SBS AG die Statuten und strich das Vorkaufsrecht [mehr]. Gegen den Entscheid läuft derzeit ein Rechtsverfahren. Die Verkaufsverhandlungen sind zur Zeit eingestellt. «Die SBB braucht diese Rechtssicherheit, damit sie frei entscheiden kann», sagte Blumenthal vor den Medien.

Im Rahmen der medialen Berichterstattung wurden Fragen zum tatsächlichen Wert der Aktien an der SBS AG aufgeworfen. Richtig ist, dass im Rahmen der Verhandlungen mit dem Stadtwerken Konstanz ein Verkaufspreis für das SBB-Aktienpaket an der SBS AG und die Grundstücke von 2,43 Millionen Franken festgelegt wurde. Ein externes Bewertungsgutachten der KPMG Zürich vom 3. Oktober 2003 bestätigte die angewendete Berechnungsformel («Discount Cash Flow») und die Höhe des damit errechneten Verkaufspreises.

Dieser Betrag von 2,43 Millionen Franken wurde in die Sitzungsvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss und den Gemeinderat von Konstanz aufgenommen. Zusätzlich zu diesem Betrag müsste vom Käufer noch die Rückzahlung des Kontokorrentkredites zu Gunsten der SBB übernommen werden. Damit würde sich der Totalbetrag für die Übernahme der SBB-Anteile an der SBS AG auf rund 3,4 Millionen Franken belaufen. Diese Fakten belegen, dass die SBB zu keiner Zeit beabsichtigte, die SBS AG unter ihrem Wert zu verkaufen.

Es gehört zu solchen Verkaufsverhandlungen, dass sie nicht in der Öffentlichkeit geführt werden. Die SBB bedauert, dass durch die an die Öffentlichkeit gelangten unvollständigen Informationen ein Nährboden entstand für Gerüchte und Spekulationen.

Gleichzeitig bedauert die SBB auch, dass im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Verkauf der SBS AG an die Stadtwerke Konstanz von Dritten teilweise nationalistisch gefärbte Argumente laut wurden.

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