Im Seetal fährt eine moderne, beliebte Regionalbahn.

Die Modernisierung der Seetalstrecke von Luzern nach Lenzburg sowie der kontinuierliche Ausbau des S-Bahn-Angebots verlaufen seit längerem parallel. Heute haben in Hochdorf Vertreter der Kantone Luzern und Aargau sowie der SBB über den Stand der Arbeiten orientiert. Bis heute wurden drei Viertel der des Budgets von 200 Mio. Franken investiert. Die Modernisierung wird Ende 2009 abgeschlossen sein.

«Ein sicherer, wirtschaftlicher Betrieb und ein attraktives Angebot» – so formulierten die Kantone Luzern und Aargau sowie die SBB die Ziele für die Modernisierung der Seetalbahn. Mit Sicherheit waren dabei vor allem die über 500 grösstenteils ungesicherten Niveauübergänge gemeint, welche einst die 40 Kilometer lange Bahnstrecke querten und die alleine für die Hälfte aller Unfälle an Bahnübergänge auf dem SBB-Netz sorgten. Mittlerweile hat sich diese Zahl auf 210 reduziert; ab Ende 2009 verbleiben noch 85 Bahnübergänge, alle davon gesichert.

Bei der Umsetzung der zahlreichen Aspekte dieser Sanierung ging die SBB vom bereits von Bahn 2000 her bekannten integrierten Ansatz aus: Geplant und realisiert wird dabei im Dreieck Fahrplanangebot-Rollmaterial-Infrastruktur. Bei der Seetalbahn kam hinzu, dass die «Vollbahn» auf sieben kurzen Abschnitten auch als «Strassenbahn» unterwegs ist. Das heisst, das Lokomotivpersonal muss dort – was bei der «Vollbahn» nicht möglich ist – den Zug auf Sichtdistanz stoppen können. Dieser Modus erfordert andere Betriebsvorschriften und Fahrzeuge mit überdurchschnittlichen Bremseigenschaften.

Diese Besonderheiten der Seetalbahn hob Peter Hunkeler, Leiter SBB Projektmanagement Luzern in seinem Referat hervor: «Das Seetal ist eine richtige Regionalbahn, eine Strecke, welche die Dorfzentren quert und in der Nähe der Kundinnen und Kunden Halt macht.» Und er verwies dabei auch die daraus entstehenden Probleme: «Wir alle wissen, dass die Seetalbahn auf ihrem Weg durch die Ortschaften den Platz mit der Strasse teilen muss. Das ist für eine Vollbahn unüblich.» Die seit Ende 2002 eingesetzten Regionalzüge mit schmalerem Wagenkasten tragen dazu bei, dass sich die beiden Verkehrsträger trotz knapper Platzverhältnisse nicht mehr in die Quere kommen. Hunkeler zog auch ein Fazit zum Stand der Arbeiten: «Die Strecke ist heute viel sicherer, die Bahnhöfe sind für Reisende attraktiv, der Betrieb und der Unterhalt der Infrastruktur sind massiv günstiger und die Pünktlichkeitsvorgaben werden eingehalten.»

Dieses Fazit wird auch durch die Zunahme der Bahnreisenden in den letzten Jahren bestätigt, wie Walter Niklaus, Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr des Kantons Luzern, ausführte: «Die Zahl der Reisenden hat auf der Seetalbahn von 2003 bis 2006 um 30 Prozent zugenommen. Die SBB und der Kanton Luzern sehen sich aufgrund dieser erfreulichen Nachfrageentwicklung darin bestätigt, dass die Planung und Umsetzung des Fahrplans und des Rollmaterials den Wünschen und Bedürfnissen der Fahrgäste entspricht.»

Dieser Meinung war auch Stephan Breuer, Regionalleiter Zentralschweiz, SBB Personenverkehr, der die Stärken der Seetalbahn so umschreibt: «Die SBB hat kaum eine Linie mit mehr (physischer) Kundennähe. Die Bahn führt durchs Dorf und hält dort – sie ist Teil des Dorflebens. Und wir haben kaum eine Linie durchgreifender modernisiert als das Seetal. Mutige Lösungen führten zu einer Neukonstruktion des Angebots statt der sonst so beliebten Klecker-Renovation.»


Jetzt steht die Linienverlegung Boniswil an

Die Linienverlegung von Boniswil kann auf eine über 20-jährige Geschichte zurückblicken. Statt des ursprünglich geplanten (und bewilligten) Tunnels stimmte die Gemeindeversamm-lung von Boniswil im Mai 2002 an einer Konsultativabstimmung einer Linienverlegung zu. Das neue Trassee führt von Birrwil her dem Hang entlang in Richtung Boniswil. Am südlichen Dorfeingang biegt die neue Linie von die Kantonsstrasse ab und umfährt das Dorfzentrum auf der Westseite. Die Anzahl Bahnübergänge auf dem Gemeindegebiet wird von 22 auf 3 reduziert. Die verbleibenden Übergänge werden alle mit Drehblinker und Barrieren gesichert. Die Gesamtkosten für den Abschnitt Boniswil betragen 17 Mio. Franken und sind damit rund 10 Mio. Franken billiger als die ursprüngliche Tunnelvariante.

Die Linienverlegung hat für den Umbau wesentliche Vorteile gegenüber der Sanierung an Ort. Das neue Trassee kann ohne Behinderungen des Bahnbetriebs gebaut werden. Wenn die neue Strecke fertig gestellt ist, wird der Verkehr umgelegt. Anschliessend wird das alte Gleis längs der Kantonsstrasse abgebrochen.

Das eisenbahnrechtliche Plangenehmigungsverfahren wurde anfangs 2006 beim Bundesamt für Verkehr eingeleitet. Von Mitte August 2006 bis Mitte September 2006 wird das Projekt im Gelände ausgesteckt, und die Pläne werden in der Gemeindeverwaltung öffentlich aufgelegt. Der Bau beginnt frühestens Ende 2007; Ende 2009 soll die Bahn auf ihrem neuen Trassee fahren.

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