Neue Betriebszentralen in Olten und Zürich.

Die SBB fasst in den nächsten Jahren die Disposition und operative Steuerung des Bahnbetriebs in der Deutschschweiz in zwei Betriebszentralen in Olten und in Zürich zusammen. Die Investitionskosten für die beiden Zentren betragen rund 160 Mio. Franken. Eine dritte Betriebszentrale für die Westschweiz befindet sich in Lausanne bereits im Aufbau, die vierte ist seit 2003 im Tessin in Betrieb. Die Umstrukturierung wird bis 2015 umgesetzt.

Bereits heute wird der Zugverkehr auf 60 Prozent der Bahnhöfe und Strecken des SBB-Netzes von mehreren kleineren Zentren aus ferngesteuert. Mit der fortlaufenden Automatisierung der Bahnhöfe wäre es bis 2015 technisch möglich, das 3000 km lange und rund 750 Bahnhöfe und Stationen umfassende SBB-Netz ab einer einzigen Betriebszentrale zu steuern. Mit dem immer dichteren Bahnbetrieb – die Zugsdichte auf dem SBB-Netz hat in den letzten zehn Jahren um mehr als 30 Prozent zugenommen – steigen die Anforderungen an die Verantwortlichen der Betriebsführung kontinuierlich an. Eine möglichst enge Zusammenführung der dispositiven (anordnenden) und operativen (ausführenden) Funktionen der Betriebsführung in Betriebszentralen trägt dieser Entwicklung Rechnung und erleichtert im Störungsfall die direkte und rasche Kommunikation. Dadurch werden die Reaktionszeiten verkürzt und die Abweichungen im Fahrplan verringert.


Künftig drei grosse und zwei kleinere Betriebszentralen

Die SBB hat beschlossen, den Zugverkehr auf dem SBB-Netz künftig ab drei grossen Betriebszentralen in Lausanne, Olten und Zürich sowie ab zwei kleineren Betriebszentralen in Bellinzona und Spiez (BLS) – die betrieblich Olten unterstellt sind – zu steuern. Zum einen verbessert das Konzept die Verfügbarkeit des Systems, zum andern trägt es den Bedürfnissen des Personals Rechnung und berücksichtigt die Landessprachen.

In einem ersten Schritt in dieser Entwicklung hat die SBB im Jahr 2003 in Bellinzona das «Centro Esercizio Regionale (CER)» in Betrieb genommen. Von hier aus wird inzwischen der gesamte Zugverkehr zwischen Erstfeld und Chiasso sowie zwischen Giubiasco und Locarno/Luino überwacht und gesteuert. Dies ist auch für die Kundinnen und Kunden spürbar: Seit der Inbetriebnahme der Betriebszentrale von Bellinzona konnte die SBB im Tessin die Pünktlichkeit sowie die Kundeninformation im Störungsfall deutlich verbessern.

Ab 2007 wird in Lausanne das «Centre d’Exploitation» als zweite Betriebszentrale aufgebaut; nach und nach werden die verschiedenen in der Westschweiz verteilten Fernsteuerzentren in Lausanne zusammengefasst. Neben den operativen Aufgaben – das Steuern von Weichen und Signalen – werden ebenfalls die dispositiven Aufgaben – die Abwicklung des Bahnbetriebs – in die Betriebszentrale Lausanne integriert. Diese zeichnet dann für den gesamten Bahnbetrieb in der Westschweiz verantwortlich.


Für die Deutschschweiz Olten und Zürich

In der Deutschschweiz wird die künftige Betriebsführung auf zwei Betriebszentralen in Olten und Zürich aufgeteilt. Ursprünglich hatte die SBB für die Deutschschweiz den Bau einer einzigen grossen Betriebszentrale («Rail Control Center») in Olten favorisiert. Ausschlaggebend für den Entscheid zum Bau von zwei statt einer Betriebszentrale sind die bessere Verfügbarkeit und die höhere Flexibilität im Störungsfall. Trotz technischer Rückfallebenen und redundantem Ansteuern der Leitsysteme lassen sich Störungen an den Anlagen nie ganz ausschliessen. Das Konzept sieht deshalb vor, dass die künftigen Betriebszentralen in Zürich und in Olten im Störungsfall jederzeit den Zugverkehr der anderen Betriebszentrale übernehmen können. Die Aufteilung der Arbeitsplätze auf zwei Standorte kommt auch dem Anliegen der Mitarbeitenden entgegen.

Grundsätzlich wird die neue Betriebszentrale in Olten für das Mittelland und – mit Unterstützung von Bellinzona und Spiez – für die beiden Neat-Achsen Gotthard und Lötschberg verantwortlich sein. Damit lässt sich der Nord-Süd-Güterverkehr aus einer Hand steuern. Die Betriebszentrale Zürich lenkt und steuert künftig den Bahnbetrieb in der Grossagglomeration Zürich mit ihrem dichten S-Bahnnetz sowie in der Ostschweiz.

Bei der neuen Struktur wurde darauf geachtet, dass die einzelnen S-Bahnsysteme jeweils von einer einzigen Betriebszentrale geführt werden können.

Das Projekt zur Konzeption und zum Bau der beiden Betriebszentralen in Olten und in Zürich startet in den nächsten Wochen. Die Kosten für die beiden Zentren betragen zusammen rund 160 Mio. Franken. Die Migration des Personals von den heutigen Fernsteuerzentren und Betriebsleitzentralen sowie den heute noch örtlich bedienten Bahnhöfen in die neuen Betriebszentralen wird ca. 2015 abgeschlossen sein.

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