Wachstum und Erfolg im operativen Geschäft – Pensionskasse belastet Eigenkapital mit CHF 3 Mia.

Die SBB verzeichnete im Geschäftsjahr 2006 in allen Märkten Wachstum und schrieb mit einem Ergebnis von CHF 259,4 Mio. wieder schwarze Zahlen. Das Resultat wurde einerseits durch Ergebnisverbesserungen in allen operativen Bereichen und andererseits durch die Auflösung von Rückstellungen erzielt. Wachstum auch bei der Leistung: Personen- und Tonnenkilometer legten zu. Die Pensionskasse SBB belastet das Unternehmen massiv und  führte zu einer Reduktion des Eigenkapitals um rund CHF 3 Mia. Die SBB beschloss im Berichtsjahr, die Pensionskasse mit CHF 1493 Mio. teilweise zu sanieren. Der Sanierungsbeitrag des Bundes ist noch offen.

Die SBB schloss das Geschäftsjahr mit einem Konzerngewinn von CHF 259,4 Mio. (2005: CHF -166,3 Mio.). Ergebnisverbesserungen im operativen Geschäft sowie die Auflösung von Rückstellungen und Steuerabgrenzungen führten zu diesem Resultat.

Im operativen Geschäft verzeichnete die SBB, getragen von einer anhaltend guten Konjunkturentwicklung, in allen Bereichen Wachstum. Die Vorleistungen der Vorjahre – im Personenverkehr die Bahn 2000, im Güterverkehr der Umbau des Binnenverkehrs und der Aufbau von Tochtergesellschaften in Deutschland und Italien für den Gütertransit – zeigten die erwartete Wirkung. Der Betriebsertrag wurde um 1,8% auf CHF 7216,8 Mio. erhöht, der Betriebsaufwand verringerte sich um 2,6% auf CHF 6922,2 Mio. Der EBIT verbesserte sich von CHF -79,2 Mio. im Vorjahr auf CHF 343,8 Mio. im Berichtsjahr.

Gleichzeitig verbesserten nicht wiederkehrende Sondereinflüsse – Auflösung von nicht mehr begründeten Rückstellungen für Restrukturierungen, Flottensanierung, Geschäfts- und Prozessrisiken sowie Steuerabgrenzungen – in der Höhe von CHF 131,0 Mio. das Resultat. Unter Berücksichtigung dieser Sondereffekte verbesserte sich das Ergebnis von 2006 im Vergleich zu 2005 um rund CHF 40 Mio.

Die erfolgswirksamen Beiträge der öffentlichen Hand reduzierten sich im Berichtsjahr um CHF 4,3 Mio. auf CHF 1842.7 Mio. Da Personen- und Güterverkehr im Berichtsjahr eine wachsende Nachfrage verzeichneten und Mehrleistungen erbrachten, verbesserte sich das Abgeltungs-/Leistungsverhältnis weiter. Nie erbrachte die SBB für die Abgeltungen der öffentlichen Hand mehr Leistung als 2006.

2006 arbeiteten durchschnittlich 27 933 Mitarbeitende (Vollzeitstellen) für die SBB und die Tochtergesellschaften. Das sind 397 Stellen (-1,4%) weniger als im Vorjahr.


Die Resultate der Segmente

Der Personenverkehr erzielte 2006 ein Betriebsergebnis von CHF 246,2 Mio. (2005: CHF 132.7 Mio.). Auch das Jahresergebnis lag mit CHF 193,7 Mio. deutlich über dem Vorjahr (2005: CHF 78.6 Mio.), wobei das Ergebnis durch die Auflösung nicht mehr betriebsnotwendiger Rückstellungen von CHF 56,9 Mio. positiv beeinflusst wurde. Die Verkehrserträge wuchsen um 3,4% auf CHF 2,31 Mia., und die Zahl der zurückgelegten Personenkilometer stieg um 3,2% auf 14,27 Mia. Der bereits 2005 festgestellte Bahn-2000-Effekt mit einem erfreulichen Wachstum auf der Nachfrageseite setzte sich auch im Berichtsjahr fort. Im Fern- wie im Regionalverkehr wurden Rekordwerte verzeichnet. Gleichzeitig wuchs auch das Stammkunden-Geschäft: Erstmals waren 2006 mehr als 300 000 Generalabonnements im Umlauf. Ende 2006 waren es 316 731, das sind 8,4% mehr als vor Jahresfrist. Mit über 2 050 000 Halbtax-Abos (+2,6%) wurde auch hier ein neuer Höchstwert realisiert.

Der Güterverkehr schloss auch 2006 mit einem Verlust ab. Das Betriebsergebnis fiel mit CHF -29,6 Mio. aber deutlich besser aus als im Vorjahr (2005: CHF -166.4 Mio.). Das Jahresergebnis belief sich auf CHF -37,3 Mio. (2005: CHF -165.7 Mio.). 2005 hatten allerdings Rückstellungen in der Höhe von CHF 110 Mio. das Ergebnis zusätzlich belastet. Die Verkehrserträge verbesserten sich auf CHF 1005,9 Mio. (2005: CHF 991,2 Mio.). Der Bund entrichtete CHF 27 Mio. weniger Trassenpreissubventionen für den Güterbinnenverkehr. Die Verkehrsleistung von SBB Cargo wuchs insgesamt um 7,5% auf 12,344 Mia. Nettotonnenkilometern an. 30% dieser Transportleistung erbrachte SBB Cargo ausserhalb der Schweiz: In Deutschland wurde die Verkehrsleistung um 29,5%, in Italien um 16,8% erhöht. Insgesamt steigerte SBB Cargo die Verkehrsleistung im internationalen Nord-Süd-Geschäft um 8% auf 8,2 Mia. Nettotonnenkilometer. Im Binnenverkehr verbesserte sich die Verkehrsleistung um 6,5% auf 4,15 Mia. Nettotonnenkilometer. Der schweizerische Wagenladungsverkehr legte um 9,4% zu.

SBB Infrastruktur erzielte 2006 ein Jahresergebnis von CHF 91,8 Mio., das sind CHF 74,4 Mio. mehr als im Vorjahr. Davon entfallen CHF 33,4 Mio. auf Sondereinflüsse (Auflösung von Rückstellungen etc.). Der Verkehrsertrag aus Trassenerträgen und Betriebsleistungen von Infrastruktur nahm um CHF 34,5 Mio. zu. Die Leistungen des Bundes an die Infrastruktur betrugen CHF 1211,4 Mio., 1% mehr als im Vorjahr. Die Zahl der auf dem SBB-Netz zurückgelegten Trassenkilometer (SBB und Dritte) stieg um 0,7% auf 152 Mio. Trassenkilometer. Im Reiseverkehr betrug die Zunahme 1,1%, während im Güterverkehr die Trassenkilometer um 0,8% zurückgingen. Gleichzeitig wurde eine höhere Auslastung der Güterzüge registriert: Das durchschnittliche Gewicht pro Güterzug lag mit 889 Tonnen um 3,7% über dem Vorjahreswert.

SBB Immobilien verbesserte 2006 das Betriebsergebnis um 8,2% auf CHF 184,8 Mio. Die Mieterträge mit Dritten beliefen sich auf CHF 310,7 Mio. (+2,8%). Das Jahresergebnis von CHF 27,8 Mio. übertraf das Vorjahresergebnis um 32,3%. Zur Verbesserung des Ergebnisses trug wesentlich die positive Entwicklung der Bahnhofs-Mieterträge bei: Der Umsatz in den grossen Bahnhöfen wuchs im Branchenvergleich überdurchschnittlich. Andererseits lag der Erfolg aus den Veräusserungen von Anlagevermögen mit CHF 45 Mio. um CHF 4 Mio. unter dem Vorjahr.


Deckungsgrad der Pensionskasse weiterhin ungenügend

Die Pensionskasse SBB trübt das Ergebnis des Unternehmens auch im Berichtsjahr 2006 massiv. In den Vorjahren hatten sich die Rückstellungen gemäss Swiss GAAP FER 16 für die unterdeckte Pensionskasse SBB regelmässig negativ in der SBB Rechnung gezeigt. Im Berichtsjahr kam erstmals die überarbeitete Fachempfehlung Swiss GAAP FER 16 zur Anwendung. Aufgrund dieser Änderung wird die Erfolgsrechnung 2006 nicht mehr durch zusätzliche Rückstellungen belastet. Stattdessen wurde nach der statischen Methode der Differenzbetrag zwischen berechneter wirtschaftlicher Vorsorgeverpflichtung und bestehender Rückstellung in der Konzernrechnung offen über das Eigenkapital verbucht. Das Eigenkapital reduzierte sich dadurch um rund CHF 3 Mia.

Die Pensionskasse SBB schloss das Geschäftsjahr mit einem Verlust von CHF -60 Mio. ab. Im Vorjahr war ein Überschuss von CHF 460 Mio. erzielt worden. Der Deckungsgrad der Kasse ging von 86,8% auf 86,5% zurück. Auf den Kapitalanlagen realisierte die Pensionskasse SBB 2006 – bei beschränkter Risikofähigkeit als Folge der bestehenden Unterdeckung – eine Performance von 5,6%.

Die SBB beschloss im Berichtsjahr, die Pensionskasse SBB mit CHF 1493 Mio. teilweise zu sanieren. Die Sanierung erfolgte einerseits mittels eines gesicherten Darlehens von CHF 1,2 Mia. mit einer Laufzeit von 25 Jahren ab dem 1. Januar 2007; das Darlehen wird zu 4% verzinst und ab 2011 amortisiert. Weitere CHF 293 Mio. wird die SBB im März 2007 der Kasse überweisen. Die SBB finanziert diese Zusatzbelastungen aus eigener Kraft. Dadurch werden die Ergebnisse der kommenden Jahre massiv belastet.

Per 1. Januar 2007 erfolgte die Reduktion des technischen Zinses von 4,0% auf 3,5%. Dies erhöhte den Fehlbetrag um CHF 390 Mio. und drückte den Deckungsgrad auf 84,2%. Die SBB Sanierung von CHF 1493 Mio. reduziert den Fehlbetrag in diesem Umfang und erhöht den Deckungsgrad um 10,3 Prozentpunkte. Nach diesen Operationen liegt der Deckungsgrad der Pensionskasse SBB bei 94,5%.

Noch immer klafft indes eine grosse Sanierungslücke: Bei der Sanierung der Teile der Alterspensionierten und der IV-Bezüger erwartet die SBB Unterstützung vom Bund in Form einer entsprechenden Rekapitalisierung für den Alters- und IV-Rentneranteil. Der Bundesrat nahm im Dezember 2006 von der Sanierung des Aktiven-Teils durch die SBB zustimmend Kenntnis, äusserte sich aber nicht zur ausstehenden Unterstützung der Sanierungsbemühungen durch den Bund.

Die Unterdeckung der Pensionskasse SBB steht wie bekannt in engem Zusammenhang mit dem Zeitpunkt der Ausfinanzierung der Kasse per 1. Januar 1999 und der Tatsache, dass diese ohne Schwankungsreserve erfolgte, sowie der ungünstigen Versichertenstruktur mit mehr Rentenbezügern als Aktiven.


Ausblick

Anlässlich der Bilanzmedienkonferenz heute in Zürich trat erstmals der neue CEO der SBB, Andreas Meyer, an die Öffentlichkeit. Meyer übernahm sein Amt am 1. Januar 2007. Gemeinsam mit dem Verwaltungsratspräsidenten der SBB, Thierry Lalive d’Epinay, skizzierte Meyer Perspektiven der SBB: In einem europäischen Marktumfeld, das von Marktöffnung und raschem Wandel geprägt ist, stehe die SBB auf tragfähigem Boden. Die Marke SBB sei ein starker Wert.

Zwei Entwicklungen werden nach Meinung der SBB-Spitze die kommenden Jahre prägen: Erstens werde die Liberalisierung weiter voranschreiten und insbesondere auch im Personenverkehr spürbar werden; beschleunigt werde die Entwicklung durch Börsengänge von Mitbewerbern, Akquisitionen und Markteintritte neuer Akteure. Zweitens werden die Mittel der öffentlichen Hand auch künftig knapp sein.

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung aktualisieren derzeit die strategischen Ausrichtungen, die Ziele und deren Umsetzung in allen relevanten Bereichen des Unternehmens. Die SBB setze dabei auf Kontinuität, Dynamik und Offenheit, um den Erfolg auch in der Zukunft zu sichern.

Die SBB tritt weiterhin entschieden für das Modell einer integrierten Bahnunternehmung und gegen die Trennung von Schiene und Betrieb ein. Die wachsende Komplexität der Systeme verlange die enge Verzahnung von Infrastruktur und Betrieb; der dichte Bahn-2000-Fahrplan beispielsweise könne nur durch eine integrierte Unternehmung, wie die SBB es ist, erfolgreich betrieben werden. Gleichzeitig sei die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bahnen über Kultur- und Landesgrenzen hinweg unerlässlich. Dabei dürften sich noch vermehrt Konstellationen ergeben, wo Bahnunternehmen in Teilmärkten sich scharf konkurrieren und gleichzeitig in anderen Märkten eng kooperieren. Die SBB brauche dafür den nötigen Handlungsraum.


Wichtige Projekte 2007

2007 stehen für die SBB wichtige Projekte und Weichenstellungen an. Mit der schrittweisen Inbetriebnahme des Lötschberg-Basistunnels ab Mitte Jahr und der Eröffnung der neuen TGV-Est-Verbindung zwischen Basel und Paris im Juni eröffnen sich den Kundinnen und Kunden der Bahn neue Möglichkeiten und kürzere Reisezeiten. In Zürich erfolgt der Start der Bauarbeiten zur neuen Durchmesserlinie, die für die Entwicklung des ganzen SBB-Netzes von zentraler Bedeutung sein wird.

Darüber hinaus ist im Rahmen des Projektes «Zukünftige Entwicklung Bahnprojekte» die weitere Entwicklung des Bahnangebotes bis 2030 zu regeln, wobei der knappe Finanzrahmen den Möglichkeiten enge Grenzen setzt und eine maximale Kosten-/Nutzen-Optimierung verlangt: Investiert werden soll da, wo der Netznutzen am grössten ist und am meisten Kunden davon profitieren. Schliesslich nimmt auch der neue GAV das Unternehmen und die Mitarbeitenden zusätzlich in die Pflicht: Die Mehrkosten der neuen Regelungen gegenüber der Unternehmensplanung im Umfang von rund CHF 40 Mio. müssen 2007 durch zusätzliche Produktivitätsfortschritte erwirtschaftet werden.

Die SBB wird sich auch 2007 an zwei Grundwerten orientieren: Qualität und Produktivität. Es sei die Aufgabe der SBB und all ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Qualität und Produktivität stetig zu verbessern, erklärte Meyer. Er kündigte unter anderem die rasche Schaffung eines neuen, gewichteten Index zur Messung der Pünktlichkeit der Züge im Personenverkehr an, bei der die unterschiedliche Auslastung der Züge – und damit die Zahl der im Verspätungsfall betroffenen Reisenden – in der Statistik berücksichtigt werden soll.


Dank an Benedikt Weibel und an die Mitarbeitenden

Verwaltungsratspräsident Lalive d’Epinay dankte Meyers Vorgänger Benedikt Weibel, der Ende 2006 nach 28-jähriger Tätigkeit für die SBB aus dem Unternehmen ausschied, «für die grosse Arbeit und seine herausragenden Leistungen für das Unternehmen»; unter Weibels Führung habe sich die SBB «zu dem modernen und dynamischen Unternehmen entwickelt, das sie heute ist». Lalive d’Epinay und Meyer dankten gleichzeitig den Mitarbeitenden: «Mit ihrem Engagement und ihrer Kompetenz» hätten die Mitarbeitenden das Geschäftsjahr der SBB geprägt «und Wachstum und Gewinn erst möglich gemacht».

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