Der öffentliche Verkehr in der Schweiz braucht höhere Tarife.

Preisüberwacher, VöV und SBB haben sich im Gespräch auf die Tarifmassnahmen im öffentlichen Verkehr geeinigt. Diese werden per Dezember 2007 umgesetzt. Als Teil einer gemeinsamen Vereinbarung verzichtet die SBB vorerst auf die vorgesehene Erhöhung der sogenannten «Distanzzuschläge» für einzelne Strecken. VöV und SBB suchen jetzt gemeinsam nach Möglichkeiten zur Überarbeitung des bestehenden Preissystems im öffentlichen Verkehr.

Die Erhöhung des Normaltarifs um durchschnittlich 3,1 Prozent sowie des Generalabonnements um durchschnittlich 3,6 Prozent wurden vom Preisüberwacher nicht bestritten. Damit treten die Tarifmassnahmen der Unternehmen des öffentlichen Verkehrs wie geplant mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 in Kraft. Zum gleichen Zeitpunkt wird auch eine neue 9-Uhr Tageskarte zum Halbtax-Abonnement eingeführt. Zur Erinnerung: Die Preise für Halbtax-Abonnement und «Gleis 7», für «Junior-Karte» und «Enkel-Karte», «GA Kind» und «GA Hund» bleiben unverändert. «Der öffentliche Verkehr ist auf diese Tarifanpassungen angewiesen», sagte VöVLink öffnet in neuem Fenster.-Direktor Peter Vollmer vor den Medien: «Wenn weniger Mittel zur Verfügung stehen, kommen wir um einen Leistungsabbau nicht herum.»

Nicht wie vorgesehen umgesetzt werden können die von der SBB auf einigen ihrer Fernverkehrslinien vorgesehenen streckenspezifischen Preiserhöhungen (die so genannten «Distanzzuschläge»). Nachdem der Preisüberwacher im Gespräch mit VöV und SBB in diesem Punkt Widerstand signalisierte, entschloss sich die SBB, auf die geplante Massnahme zu verzichten und so termingerecht die Umsetzung der übrigen Tarifmassnahmen zu ermöglichen. «Der VöV hat kein Verständnis für die Einwände des Preisüberwachers», betonte Peter Vollmer: «Die Transportunternehmungen müssen bei der Preisgestaltung einzelner Strecken unterschiedlichen Kosten-, Angebots- und Nachfrageentwicklungen Rechnung tragen können.» Die Haltung des Preisüberwachers berücksichtigt diesbezüglich die Bedürfnisse des öffentlichen Verkehrs nur ungenügend. «Mit dem Entscheid werden dem Fernverkehr notwendige Mittel entzogen. Eine gute Entscheidung ist das nicht», sagte Paul Blumenthal, Leiter Personenverkehr SBB, vor den Medien: «Wenn man den Fernverkehr schwächt, schwächt man den ganzen Personenverkehr und schliesslich die ganze SBB.» Mit ihrem Verzicht auf die Umsetzung der vorgesehenen Massnahme erfährt die SBB einen Minderertrag in zweistelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig ist die SBB gefordert, in den kommenden Jahren jährlich rund 500 Millionen Franken allein in die Modernisierung und die Beschaffung von neuem Rollmaterial zu investieren.

Der Preisüberwacher begründete seine Haltung damit, die SBB würde auf den entsprechenden Strecken auch ohne die zusätzlichen Tarifmassnahmen einen angemessenen Gewinn erzielen. Die SBB ist gemäss den Zielvorgaben des Bundes angehalten, gewinnorientiert zu arbeiten und langfristig seine Investitionen zu sichern. Es ist Sache des Bundes als Eigner festzulegen, welcher Gewinn für die SBB und ihre Aufgaben angemessen ist. Klar ist allerdings: Die Entlastung des Kunden beim Preis für die bezogenen Leistungen führt zur Mehrbelastung des Steuerzahlers. Blumenthal: «Der Bahnbetrieb kostet, und was nicht der Kunde bezahlt, das bezahlen die Steuerzahler. Oder der Bahnbetrieb wird deutlich reduziert. Das ist weltweit so. Und das ist bei uns nicht anders.» Auch hier ist es Sache der Politik zu entscheiden, ob dieser Effekt erwünscht ist oder nicht.

Es ist jedoch ein zentrales Anliegen der Unternehmen im öffentlichen Verkehr, Angebot und Marktentwicklung weiterhin differenziert im Preissystem abbilden zu können. Der öffentliche Verkehr in der Schweiz braucht angemessene Tarife. VöV und SBB werden deshalb das bestehende Preissystem im Personenverkehr überprüfen und reformieren, um so die Leistungsfähigkeit und den Erfolg des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz im Interesse der Kundinnen und Kunden auch in der Zukunft zu sichern.

» Referat von Paul Blumenthal, Leiter Personenverkehr und Mitglied der Geschäftsleitung SBB.


Übersicht über die beschlossenen Massnahmen.

  • Gewöhnliche Billette: durchschnittlich +3,1%
  • Mehrfahrtenkarten: durchschnittlich +3,1%
  • Gruppenfahrausweise: durchschnittlich +3,1%
  • Streckenabonnemente: durchschnittlich +3,0%
  • Generalabonnemente: durchschnittlich +3,6% (differenziert)
  • Tageskarte Gemeinde: +15%
  • Tageskarte zum Halbtax-Abonnement: +14%

SBB Distanzzuschläge auf den Strecken:

  • Genève-Aéroport–Lausanne
  • Lausanne–Fribourg
  • Bern–Zürich
  • Zürich–Winterthur
  • Basel–Zürich
  • Bern–Luzern

  • Einführung einer 9-Uhr Tageskarte zum
    Halbtax-Abonnement
  • Ausdehnung der Geltungsdauer von
    gewöhnlichen Billetten auf 5.00 Uhr des Folgetages
  • Junior- und Enkel-Karten neu auch auf
    Strecken- und Interabonnementen gültig
  • Halbtax-Abonnement
  • Gleis 7
  • Junior- und Enkel-Karte
  • GA-Kind
  • GA-Hund