Die SBB steigerte die Verkehrsleistungen erneut – positives Ergebnis trotz Verlust im Güterverkehr.

Im ersten Halbjahr 2007 erzielte die SBB ein Konzernergebnis von CHF 92.3 Mio. Das sind CHF 32.9 Mio. mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Personenverkehr und Immobilien trugen wesentlich zum positiven Geschäftsverlauf bei. Die Verkehrsleistungen der ersten sechs Monate liegen im Personen- wie im Güterverkehr über den Vergleichswerten des Vorjahres. SBB Cargo konnte das Spartenergebnis indes nicht verbessern und weist mit CHF -35.5 Mio. einen Verlust in der Höhe der Vorjahresperiode aus.

Der SBB Konzern verbesserte im ersten Halbjahr 2007 das Betriebsergebnis im Vergleich zur Vorjahresperiode deutlich um 66,1 Prozent auf CHF 160.3 Mio. gegenüber CHF 96.5 Mio. in der ersten Hälfte 2006. Das Konzernergebnis liegt mit CHF 92.3 Mio. um 55,4 Prozent über dem Periodenergebnis des Vorjahres.

Die Verkehrsleistungen im Personenverkehr und im Gütergeschäft wurden deutlich gesteigert. Im Personenverkehr erhöhte sich die Zahl der in SBB Zügen zurückgelegten Personenkilometer um 5 Prozent, SBB Cargo verbesserte die gefahrenen Nettotonnenkilometer gar um 13 Prozent. Die Verkehrserträge liegen mit insgesamt CHF 1'714.4 Mio. um 6,9 Prozent über dem Vorjahreswert.


Personenverkehr.

Der Personenverkehr erzielte im ersten Halbjahr 2007 einen Verkehrsertrag von CHF 1'195.9 Mio. (+6,2 Prozent). Der Betriebsertrag verbesserte sich um CHF 74.9 Mio. (auf CHF 1'846.5 Mio.). Gleichzeitig nahm der Betriebsaufwand um CHF 13.2 Mio. (auf CHF 1'722.0 Mio.) zu. Mit CHF 90.9 Mio. liegt das im Personenverkehr erzielte Spartenergebnis der ersten sechs Monate 2007 um CHF 52.8 Mio. über dem Vorjahreswert.

Namentlich im West-Ost-Verkehr auf den Fernverkehrsstrecken Genf–Biel–Zürich und Genf–Bern–Zürich–St. Gallen verzeichnete die SBB ein überdurchschnittliches Wachstum. Auch das Stammkundengeschäft entwickelte sich positiv: Ende Juni 2007 waren insgesamt 325'076 Generalabos (Juni 2006: 299’177) sowie 2'083'995 Halbtax-Abos (Juni 2006: 2'023'109) im Umlauf.

Der Gesamtwert der Kundenzufriedenheit lag mit 77 Indexpunkten um 0,2 Punkte über dem Vorjahreswert. Die Kundinnen und Kunden bewerteten neben anderem die Pünktlichkeit, die Information im Störungsfall und die Sauberkeit in den Zügen positiver. Schlechter beurteilt wurde andererseits das Preis/Leistungsverhältnis und das Sitzplatzangebot: Auf einzelnen Zügen sind die Sitzplätze in der Pendlerverkehrszeit knapp. Die SBB bemüht sich, mit entsprechender Disposition beim Rollmaterial und mit gezielter Kundeninformation die Zahl der Stehplätze so gering als möglich zu halten. Wo es der Fahrplan erlaubte, wurden bereits Züge verstärkt, so etwa morgens zwischen Zürich und Basel sowie zwischen Genf und Lausanne.

In der Berichtsperiode konnte mit dem Preisüberwacher eine einvernehmliche Regelung getroffen werden, die es dem öffentlichen Verkehr ermöglicht, die Tarife im Personenverkehr zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember um durchschnittlich 3,1 Prozent anzuheben.

Mit der Inbetriebnahme der neuen TGV-Verbindung zwischen Basel und Paris im Juni 2007 erfuhr das Angebot im internationalen Personenverkehr einen markanten Attraktivitätsgewinn. Die Zusammenarbeit mit der französischen SNCF im Rahmen der gemeinsamen Gesellschaft Lyria konnte mit neuen Verträgen ausgebaut und intensiviert werden. Die SBB erwarb eine weitere TGV-Komposition. Mit der italienischen FS führte die SBB intensive Diskussionen über die Weiterentwicklung der gemeinsamen Gesellschaft CisalpinoLink öffnet in neuem Fenster.. Probleme bereitet die absehbare Verspätung der Industrie bei der Ablieferung des bestellten neuen Rollmaterials für Cisalpino.

Die Pünktlichkeit im Personenverkehr lag im ersten Halbjahr 2007 leicht über den Vorjahreswerten: Die Ankunftspünktlichkeit der Züge betrug 96,3 Prozent (2006: 96,1 Prozent). Erstmals wurde dabei nur die Pünktlichkeit an Werktagen beachtet. An den Wochenenden liegt die Pünktlichkeit generell höher. Neu wurde zusätzlich auch der Pünktlichkeitswert gemessen, welcher der Zahl der von Verspätungen betroffenen Reisenden Rechnung trägt. Diese «Reisenden-Pünktlichkeit» lag mit 94,7 Prozent rund 1,5 Prozent unter der Ankunftspünktlichkeit. In anderen Worten: Reisende in gut besetzten Zügen in den Stosszeiten sind häufiger von Verspätungen betroffen. Die Verfügbarkeit der Fahrzeuge konnte spürbar verbessert werden.


Güterverkehr.

Im Gütergeschäft steigerte die SBB im ersten Halbjahr 2007 den Verkehrsertrag um 7,6 Prozent auf CHF 530.5 Mio. Mit 6,8 Milliarden Nettotonnenkilometern liegt die Verkehrsleistung um 13,3 Prozent über der Vorjahresperiode. Allerdings resultierte daraus keine Ergebnisverbesserung: SBB Cargo weist fürs erste Halbjahr 2007 einen Verlust von CHF 35.5 Mio. aus und liegt damit auf Vorjahresniveau.

Mehrere Gründe führten zu diesem unbefriedigenden Ergebnis. Im Ausland wuchs SBB Cargo sehr rasch und steigerte die Verkehrsleistung um 43 Prozent (Deutschland) bzw. um 64 Prozent (Italien). Allerdings konnte die Mehrleistung nicht im gewünschten Masse von SBB Cargo selber erbracht, sondern musste in wesentlichem Umfang von Dritten eingekauft werden. Der rasche und erfolgreiche Kundenzuwachs führte deshalb zu deutlich höheren Aufbaukosten als erwartet.

In der Schweiz führten die Umschichtung von Verkehren zwischen einzelnen Branchen und die damit verbundenen Verkehrsverlagerungen zu höheren Kosten, während die Verkehrsleistung stabil blieb. SBB Cargo konnte im zurückliegenden Halbjahr mit Top-Kunden Einigungen erzielen für gestaffelte Preisanpassungen in den kommenden Jahren.

Im Geschäftsbereich Instandhaltung von SBB Cargo schliesslich konnten eingeplante Kostensenkungen noch nicht realisiert werden. Entsprechende Massnahmen wurden eingeleitet.

Auch im Güterverkehr rückten SBB und SNCF näher zusammen und schlossen Kooperationsverträge ab für die gemeinsame grenzüberschreitende Produktion zwischen Mulhouse (F) und Buchs SG. Damit ist die Basis gelegt für einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit.

Die Pünktlichkeit im Güterverkehr lag über den minimalen Zielwerten: Im internationalen Nord-Süd-Verkehr wurde eine Pünktlichkeit von über 80 Prozent erreicht. Im Binnengüterverkehr lag die Pünktlichkeit bei 89 Prozent.

Die Lieferanten und Kunden kennen SBB Cargo als zuverlässigen Partner. Daran soll sich nichts ändern. SBB Cargo wird im engen Kontakt mit den Kunden die Qualität weiter steigern. Die Strategie von SBB Cargo stimmt. Sie muss aber noch konsequenter und besser umgesetzt werden, damit aus dem Verkehrswachstum künftig auch ein positives finanzielles Ergebnis resultiert.


Infrastruktur.

SBB Infrastruktur erzielte im ersten Halbjahr 2007 ein Spartenergebnis von CHF 10 Mio.; das sind CHF 10.8 Mio. weniger als in der Vorjahresperiode.

Im Bereich Netz entwickelte sich der Trassenverkauf weiterhin erfreulich. Insgesamt lag die Zahl der verkauften Trassenkilometer mit 76,6 Mio. Trassenkilometern um 1,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Die durch Dritte auf dem SBB Netz gefahrenen Kilometer nahmen um 6,9 Prozent auf 6,5 Millionen Kilometer zu.

Zur weiteren Resultatverbesserung im Netz-Bereich wurden in den letzten Monaten Massnahmen ausgelöst unter anderem zur Effizienzsteigerung im Unterhalt. Zur weiteren Verbesserung der Pünktlichkeit auf dem SBB Netz startete die SBB ein spezielles Programm «Pünktlichkeit». Die Messung der Pünktlichkeit auf dem SBB Netz soll weiter differenziert werden.

Im Bereich Energie führten die milden Temperaturen zu einem geringeren Stromverbrauch. Die tiefen Strompreise am Markt ermöglichten eine Energieoptimierung mit weniger Eigenproduktion, mehr Fremdbezug und einem höheren Wasserstand in den Stauseen.


Immobilien.

Im Immobilienbereich erhöhte die SBB den Betriebsertrag um 2 Prozent auf CHF 305.7 Mio. Der Erfolg aus Veräusserungen belief sich auf CHF 22.7 Mio. (+37 Prozent). Der Periodengewinn im Immobilengeschäft nach Ausgleichszahlungen an Infrastruktur und – neu – den Leistungen zur Teilsanierung der Pensionskasse SBB ging um 48,6 Prozent zurück auf CHF 18.0 Mio.

Die Umsatzentwicklung in den dreissig grössten Bahnhöfen lag deutlich über dem Vergleichwert des Vorjahres und übertraf erneut den Detailhandelsindex deutlich. Die Laden- und Dienstleistungsgeschäfte in den sieben RailCityLink öffnet in neuem Fenster.-Bahnhöfen erreichten einen Umsatz von CHF 475 Mio. (+7,3 Prozent).

Die im Immobilienbereich erwirtschafteten Gewinne fliessen einerseits als Ausgleichszahlungen an SBB Infrastruktur. Andererseits werden sie zur Teilsanierung der an Unterdeckung leidenden Pensionskasse SBB verwendet.


Zentralbereiche und Personal.

Die Zentralbereiche schlossen das erste Halbjahr 2007 mit einem ausgeglichenen Betriebsergebnis ab. Namentlich führten Kosteneinsparungen bei den einzelnen Organisationseinheiten zu einem besseren Resultat.

Insgesamt arbeiteten 2007 im Durchschnitt 27 500 Mitarbeitende für die SBB. Das sind 558 Mitarbeitende weniger als im Vorjahr. Trotz Personalrückgang nahmen die Personalkosten infolge des neuen GAV, der Lohnverhandlungen vom letzten Dezember sowie der höheren Aufwendungen für die Pensionskasse SBB zu.

Die Resultate der regelmässigen Umfrage zur Personalzufriedenheit zeigten eine negative Entwicklung. Der Gesamtwert über alle Bereiche sank von 62 auf 59 Punkte – dem tiefsten Wert seit 2002. Mit konkreten Massnahmen in allen SBB Bereichen bemüht sich die SBB um eine nachhaltige Verbesserung der entsprechenden Werte. Namentlich sollen organisatorische Veränderungen noch besser vorbereitet und umgesetzt werden, wobei dem frühzeitigen Gespräch mit den Mitarbeitenden noch vermehrt Beachtung geschenkt werden soll.

Per 1. Januar 2007 stellte die Pensionskasse SBB vom Leistungs- auf das Beitragsprimat um. Ebenfalls seit 1. Januar 2007 läuft die Teilsanierung der Pensionskasse mittels eines gesicherten Darlehens von CHF 1,2 Mia. mit einer Laufzeit von 25 Jahren. Das Darlehen wird zu 4 Prozent verzinst und ab 2011 amortisiert. Im März 2007 überwies die SBB der Pensionskasse SBB zusätzliche CHF 293 Mio.

Die nach wie vor unbefriedigende Situation der Pensionskasse belastet Unternehmen und Mitarbeitende stark und schwächt die Position des Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt spürbar.

Die Ausfinanzierung der Pensionskasse erhöht den Finanzaufwand der SBB. Trotz aller Anstrengungen kann die SBB die Pensionskasse aber nicht allein sanieren. Die SBB erwartet, dass auch der Bund seinen Beitrag leistet. Der Bundesrat beschloss im Mai, eine entsprechende Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten.


Leistungen der öffentlichen Hand.

Die Leistungen der öffentlichen Hand beliefen sich im ersten Halbjahr auf insgesamt CHF 942.7 Mio. (+2,0 Prozent). Die Abgeltungen nahmen um 15.5 Mio. auf CHF 334.1 Mio. zu (+4,9%). Die Leistungen des Bundes für die Infrastruktur lagen gemäss Zahlungsrahmen für den Substanzerhalt und Betriebsbeiträge bei CHF 608.6 Mio. (+0,5%).


Ausblick.

Im Personenverkehr rechnet die SBB für das zweite Halbjahr 2007 mit einer ungebrochenen Nachfrage und einer weiterhin positiven Ertragsentwicklung. Die Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden soll weiter gesteigert werden durch zusätzliche Anstrengungen zur Erhöhung der Pünktlichkeit und zur Verbesserung der Informationen im Störungsfall.

Die Vorbereitungen auf die Euro 2008 laufen auf Hochtouren. Service, Qualität und Kundenfreundlichkeit sollen die Leistung der SBB bei dem Grossereignis auszeichnen.

Im Güterverkehr zeichnet sich im Geschäftsbereich International weiterhin ein überproportionales Wachstum ab: Die entsprechenden Verträge sind zu rund 90 Prozent abgeschlossen. Die Sanierung des Instandhaltungsbereichs wird sich erst mit Verzögerung positiv auf die Güterrechung auswirken. Die Gütersparte wird auch 2007 mit Verlust abschliessen; wobei der Vorjahresverlust kaum reduziert werden dürfte. Aufgrund der negativen Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr 2007 ist auch das Ziel, im kommenden Geschäftsjahr 2008 bei SBB Cargo schwarze Zahlen zu erreichen, gefährdet. Eine Taskforce von SBB Cargo erarbeitet bis Ende Jahr eine umfassende Analyse der Situation.

Insgesamt erwartet die SBB dank allgemein gutem Geschäftsgang, dank Ertragssteigerungen und Kostenoptimierungen für 2007 ein positives Jahresergebnis, das in der Grössenordnung des Vorjahresresultat liegen wird.


Zwei wichtige politische Geschäfte.

Die Gesamtschau FinöVLink öffnet in neuem Fenster. und die Sanierung der Pensionskasse SBB werden das Unternehmen auch in der zweiten Jahreshälfte beschäftigen.

Die «Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur ZEB»Link öffnet in neuem Fenster. bringt im Fernverkehr auf wichtigen Strecken kürzere Fahrzeiten, verbesserte Anschlüsse und ein verdichtetes Angebot für die Reisenden. Gleichzeitig werden die nötigen Kapazitäten geschaffen für eine erfolgreiche Verlagerung des Transitgüterverkehrs auf die Schiene. Damit diese Ziele erreicht werden, ist es aber unerlässlich, dass das ZEB-Kernangebot wie vom Bundesamt für Verkehr vorgeschlagen realisiert wird.

Im Rahmen der dringend notwendigen Sanierung der Pensionskasse SBB müssen auch die Teile der Alterspensionierten und der IV-Bezüger saniert werden. Hier erwartet die SBB, dass der Bund in Form einer entsprechenden Rekapitalisierung für den Alters- und IV-Anteil seinen Beitrag leistet. Indem der Bundesrat in der Berichtsperiode beschloss, eine Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten zur Sanierung der Pensionskasse SBB, wurde ein erster wichtiger Schritt zu einer politischen Lösung unternommen. Die Vernehmlassungsvorlage soll Ende 2007 vorliegen. Ziel der Bemühungen des Bundes muss es sein, Hand zu bieten zu einer nachhaltigen Sanierung der Pensionskasse SBB. Dafür sind Schwankungsreserven unerlässlich.

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