UIC ERTMS World Conference 2007: 750 Fachleute aus der ganzen Welt treffen sich in Bern.

«Die Schweiz ist bei der Einführung von ERTMS in der Spitzengruppe», erklärte Michael Clausecker, Generaldirektor der Europäischen Eisenbahnindustrie UNIFE, heute in Bern bei der Eröffnung der UIC Weltkonferenz 2007 über «Europe's Rail Traffic Management System» (ERTMS). Mit der ERTMS-Weltkonferenz 2007 möchte die UIC eine Übersicht über die Neueinführungen der ERTMS-Komponenten «ETCS» (einheitliches System für Signalgebung, Zugsicherung und Zugsteuerung) und «GSM-R» (Funkkommunikationssystem) in Europa und verschieden Regionen weltweit bieten.

Auch Luc Aliadière, Generaldirektor der «Union Internationale des Chemins de fer» (UIC), unterstrich die Bedeutung der Schweiz für ERTMS: «Dass wir die UIC-Weltkonferenz 2007 zum Thema ERTMS hier in der Schweiz durchführen, gibt uns die Möglichkeit, die grossen Fortschritte der Technologie vor Ort aufzuzeigen und die Entwicklung vom unabhängigen Netzwerk zur Interoperabilität zu diskutieren.»

Die international wegweisende Konferenz wird in enger Zusammenarbeit von UIC, SBB, BLS, dem Schweizer Bundesamt für VerkehrLink öffnet in neuem Fenster. und dem europäischen Verband der Bahnindustrie UNIFELink öffnet in neuem Fenster. ausgerichtet und von den Bahnfachverbänden CER und EIM sowie der ERTMS-Users Group und der GSM-R-Industry Group unterstützt.

Mit mehr als 750 Teilnehmern aus aller Herren Länder kann auf dieser neuen Ausgabe der ERTMS-Weltkonferenz der UIC in Bern ein Teilnehmerrekord verzeichnet werden. Anwesend sein werden Vertreter der Europäischen Union, der Regierungen, des Bahnsektors und der Industrie (Hersteller von Signalgebung und Telekommunikation).

Heute morgen stand eine Testfahrt an Bord eines ICN-Zuges auf der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist und durch den Lötschberg-BasistunnelLink öffnet in neuem Fenster. auf dem Programm, anlässlich der ETCS-Level 2 demonstriert und ein Live-Video zu ETCS in der Schweiz präsentiert wurden. Die Schweiz ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie ERTMS erfolgreich in die nationalen Verkehrspläne integriert wurde. ERTMS, d.h. ETCS und GSM-R, wird es dem Schweizer Bahnsektor ermöglichen, der hohen Wachstumsprognose für den nationalen und internationalen Schienenverkehr in den kommenden Jahrzehnten gerecht zu werden.

Bundesrat Moritz Leuenberger, Verkehrsminister der Schweiz, Luc Aliadière, UIC-Generaldirektor, Michael Clausecker, Generaldirektor der UNIFE, und Ola Bergmann, Leiter der GSM-R-Industry Group, werden im Rahmen der Eröffnungszeremonie heute Abend die Teilnehmer willkommen heißen und die Konferenz eröffnen. Anwesend sein werden auch Max Friedli, Direktor des Schweizer Bundesamtes für Verkehr, Andreas Meyer, CEO der SBB, Mathias Tromp, Vorsitzender der BLS, Karel Vinck, EU-Koordinator für ERTMS, Marcel Verslype, Exekutivdirektor der europäischen Bahnagentur ERA, und Pio Guido, Leiter der ERTMS-Abteilung der ERA, sowie Vipin Sharma, stellvertretender UIC-Generaldirektor und zuständig für die weltweite Dimension der UIC, Roland Heinisch (DB) als derzeitiger Präsident der UIC-ERTMS-Plattform, Michele Elia, RFI-Generaldirektor und zukünftiger Präsident der ERTMS-Plattform der UIC und Hansjörg Hess, Leiter Infrastruktur bei den SBB und zukünftiger ERTMS-Vizepräsident bei der UIC. An der technischen Besichtigung am Vormittag nahm auch der für das britische Verkehrsministerium zuständige parlamentarische Staatssekretär und Parlamentsabgeordnete Tom Harris teil.


ERTMS – ETCS/GSM-R.

ERTMS/ETCS/GSM-R ist ein zukunftsweisendes Großprojekt für den Bahnsektor. ETCS ist das einheitliche System für Signalgebung sowie Zugsicherung und -steuerung, GSM-R das Funkkommunikationssystem. Die Entwicklung von ERTMS und die entsprechende Implementierung von ETCS und GSM-R erfordern umfangreiche Investitionen durch alle Bahnunternehmen.

Die Einführung einer gemeinsamen Technologie für ein einheitliches Signalgebungssystem und, allgemeiner gesprochen, einer europäischen Standardausrüstung (Interlocking, ETCS, GSM-R) und der entsprechenden Standardschnittstellen wird zu folgenden Ergebnissen führen:

  • Gesteigerte Effizienz des gesamten Bahnnetzes durch erhöhte Streckenkapazität und optimierte Sicherheit
  • Verstärkte Interoperabilität vor allem auf internationalen Korridoren.
  • Vereinfachung von grenzüberschreitenden Verkehren mit Direktzügen und langfristig Kosteneinsparungen durch den Einsatz kostengünstigerer Betriebsleittechnologien für Infrastruktur und Fahrzeuge (Harmonisierung, Standardisierung, Wettbewerb, Produktionsvolumen).


Stand der Implementierung von ETCS und GSM-R.

Die gemeinsamen Bemühungen der Bahnen und Hersteller unter Federführung der Europäischen Union zur Förderung von ERTMS tragen nun in der Praxis Früchte. Nach langwierigen Studien, der Entwicklung von Spezifikationen, Tests und Pilotanwendungen hat das Roll-out jetzt auf Hochgeschwindigkeitsstrecken und konventionellen Strecken mit Mischverkehren begonnen. Auf einigen Strecken wurde der kommerzielle Betrieb ohne Einschränkungen aufgenommen.

Wie in der europäischen Absichtserklärung zur 6-Korridor-Strategie vorgesehen, wird ETCS national auf ausgewählten Strecken eingesetzt; dies ist ein erster Schritt zur Anpassung an andere nationale Pläne für spezifische internationale Korridore.

Derzeit werden mehr als 2000 Strecken-km mit ETCS Level 1 und 2 im kommerziellen Betrieb genutzt; weitere 20 000 Strecken-km wurden in Auftrag gegeben bzw. sind für die kommenden 10 Jahre geplant. Fahrzeugseitig werden 852 Fahrzeugeinheiten im ETCS-Regelbetrieb eingesetzt, 275 weitere werden beschafft und 484 umgerüstet.

Der Einsatz von GSM-R erfolgt national in der Regel zum Ersatz eines alten analogen Systems und wird bei einem Roll-out von ETCS auch zur Übertragung der ETCS-Daten von Level 2 und 3 genutzt.

Das Jahr 2007 stellt für GSM-R mit der ersten vollständigen Migration in den Niederlanden einen Wendepunkt in Europa dar. Bis Ende 2007 werden auch Italien, Deutschland, Norwegen und Schweden ihre Migration vollendet bzw. erste Schritte hierzu unternommen haben. Somit erfolgt eine Migration für 47 700 Strecken-km. Es ist vorgesehen, ca. 148 000 km von 221 000 km Gesamtnetz in Europa mit GSM-R auszurüsten, was etwa 67% des geplanten Netzes entspricht. Bis Ende 2009 wird die Migration für mehr als 50% des europäischen Netzes erfolgt sein.

Auch weltweit nutzen die Bahnen verstärkt die Vorzüge eines einheitlichen Systems. 2018 Strecken-km wurden bereits in China, Indien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südkorea und Taiwan in Auftrag gegeben. Und Australien hat sogar ein Pilotprojekt umgesetzt.

» Referat von Andreas Meyer, CEO SBB.