Vorerst keine Einigung bei den SBB Löhnen.

Die SBB und die Verhandlungsdelegation der Gewerkschaften konnten sich heute nicht auf die Lohnmassnahmen für das Jahr 2009 einigen. Wegen der wirtschaftlichen Entwicklung und der nach wie vor ungelösten Sanierung der Pensionskasse sieht die SBB keinen Spielraum für eine überdurchschnittliche Lohnerhöhung. Sie bot zuletzt an, die Lohnsumme um 1,9 Prozent zu erhöhen, die Gewerkschaften beharren auf Forderungen von 3,6%. Die SBB brach daraufhin die Verhandlungen ab, ist aber zu weiteren Gesprächen bereit.

«Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung haben wir ein angemessenes Angebot vorgelegt», kommentiert SBB Personalchef Markus Jordi die Lohnverhandlungen. «Bei einer Teuerung von 1,5% sind wir bereit, die Lohnsumme um 1,9% zu erhöhen.» Für die SBB ist jeweils der Teuerungsstand Ende November massgebend. Der Spielraum für überdurchschnittliche Lohnerhöhungen ist gering, denn die Finanzkrise wirkt sich auch auf die SBB aus: SBB Cargo ist von der einbrechenden Nachfrage im internationalen Güterverkehr betroffen und die Gefahr besteht, dass die öffentliche Hand die Mittel verknappt. Gleichzeitig ist die Sanierung der Pensionskasse weiterhin ungelöst. Sie kann zu massiven Belastungen für das Unternehmen führen. Bereits hat die SBB einen selektiven Einstellungsstopp verhängt, baut Zeitguthaben ab und kürzt Beiträge für Weiterbildungen.


Überdurchschnittliche Lohnerhöhungen nicht verantwortlich.

Die Gewerkschaften forderten im September Lohnerhöhungen von umgerechnet 5,1%. Während der bisher drei Verhandlungen sind sie nur wenig von ihren Positio-nen abgerückt und fordern heute generelle Lohnerhöhungen von 2%, mindestens aber 1950 Franken pro Jahr, und für individuelle Lohnmassnahmen weitere 1,3%. Dafür müsste die SBB 76 Millionen Franken einsetzen, was 3,6% der Lohnsumme entspricht.

Die SBB bot heute Lohnmassnahmen im Umfang von knapp 40 Millionen Franken an. Das entspricht umgerechnet 1,9% der Lohnsumme. Für generelle Massnahmen hätte sie 1%, für individuelle Massnahmen 0,5% eingesetzt. Hinzu kommen 0,4%, um unterjährige Lohnerhöhungen zu finanzieren, die durch Neu- und Höhereinstufungen während des Jahres anfallen. «Die SBB hätte mit den Lohnmassnahmen individuelle Reallohnerhöhungen ermöglicht», stellt Markus Jordi klar. «Weiter gehende Lohnmassnahmen sind mit Blick auf die Teuerung und die wirtschaftliche Situation nur schwer zu verantworten.»

Bei den Lohnverhandlungen hat sich gezeigt, dass beide Parteien sowohl die konjunkturelle Entwicklung als auch die finanziellen Konsequenzen einer Sanierung der Pensionskasse unterschiedlich einschätzen. Während die SBB deutliche Einbrüche im Geschäft prognostiziere, beharren die Gewerkschaften auf hohen Forderungen. «Wir wissen, dass unsere Mitarbeitenden jeden Tag viel leisten, doch müssen wir zu einem verantwortlichen Lohnabschluss kommen», hält Jordi fest. Die SBB ist daher auch zu weiteren Gesprächen bereit. Auf Wunsch der Gewerkschaften haben die Partien die Frist zur Anrufung eines Schiedsgerichts bis 15. Januar 2009 verlängert. Dieses ist mit Vertretern der SBB und der Gewerkschaften besetzt und legt die Lohnmassnahmen für 2009 fest. Dabei beurteilt es die wirtschaftliche Entwicklung, die Lebenshaltungskosten und die Lage auf dem Arbeitsmarkt.

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