Cisalpino zahlt von der Panne im Lötschberg betroffenen Kunden Geld zurück.

Die Cisalpino AG zahlt den Kunden, die gestern Montag im Lötschberg-Basistunnel wegen einer Panne auf einen Ersatzzug umsteigen mussten und grosse Verspätung erlitten, den vollen Billettpreis zurück. Die SBB ihrerseits bemüht sich, die unbefriedigende Wartung der Fahrzeuge des Typs ETR 470 in Italien vermehrt in der Schweiz durchzuführen. Unter anderem stehen vertragliche Hindernisse mit dem italienischen Partner einer raschen Verlagerung des Cisalpino-Unterhalts in die Schweiz indes im Wege.

Die Cisalpino AGLink öffnet in neuem Fenster. ist eine gemeinsame Tochterfirma von SBB und Trenitalia. Die SBB bedauert die neuerliche Panne einer Cisalpino-Komposition von gestern Montag, als ein ETR-470-Neigezug von Cisalpino mitten im Lötschberg-Basistunnel stehen blieb. Die Panne hatte für die rund 200 betroffenen Passagiere grosse Unannehmlichkeiten zur Folge: Sie mussten im Tunnel auf einen Ersatzzug umsteigen und erlitten grosse Verspätungen. Die Cisalpino AG beschloss noch am Montag umgehend, den betroffenen Kunden den vollen Billettpreis zurückzuerstatten. Die betroffenen Kunden senden ihren entwerteten Fahrausweis an den Cisalpino-Kundendienst:

Cisalpino AG

Damit geht Cisalpino im Sinne einer einzelnen Ausnahme weit über die internationalen Bestimmungen hinaus, die im vorliegenden Fall eine Rückerstattung von 20 Prozent des Fahrpreises vorsehen.

Aufgrund der immer wieder auftretenden Störungen an den Fahrzeugen des Typs ETR 470 haben SBB und Cisalpino inzwischen eine Vielzahl von Gegenmassnahmen ergriffen, um die negativen Auswirkungen des pannenanfälligen Zuges für die Kundinnen und Kunden möglichst zu minimieren. Seit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2008 setzen SBB und Cisalpino im innerschweizerischen Verkehr anstelle der ETR 470 vermehrt konventionelle SBB Züge ein. Dadurch erweitern sich die Wartungsfenster für die ETR-470-Kompositionen. Zudem stehen so mehr Ersatzzüge zur Verfügung für den Fall eines Ausfalls eines Cisalpino-Zuges. Die Cisalpino-Züge 51 und 56 via Domodossola werden während der kommenden Monate mit konventionellem Rollmaterial bedient. Die SBB hat zudem beschlossen, in der Schweiz jeweils konventionelle Züge in der Fahrplanlage der Cisalpino-Züge einzusetzen, sobald ein ETR 470 mehr als zehn Minuten Verspätung aufweist. Damit lässt sich verhindern, dass sich die Verspätungen im internationalen Verkehr mit Italien auf die Bahnkunden im nationalen Verkehr auswirken.

Eine Hauptschwierigkeit auf dem Weg zu einer verbesserten Zuverlässigkeit der bestehenden ETR-470-Züge stellt der Grossunterhalt dieser Züge dar. Der Kooperationsvertrag hält fest, dass dieser schwere Unterhalt in Italien durch den italienischen Partner durchgeführt wird. Das notwendige Know-how und die Unterhaltswerkzeuge wurden entsprechend nur in Italien aufgebaut. Die SBB kann aufgrund der bestehenden Verträge diesen Unterhalt nicht einfach aus Italien in die Schweiz verlagern; dazu brauchte es auch die Einwilligung des italienischen Partners. Allerdings ist die SBB derzeit mit dem Partner im Kontakt; die SBB ist der Überzeugung, dass der Partner seinen vertraglich geregelten Unterhaltspflichten nicht in genügendem Masse nachkommt. So wurde etwa mit dem Fahrplanwechsel in Italien der Wartungsstandort der Cisalpino-Züge vom italienischen Partner von Mailand Martesana nach Greco verlagert. Wie sich herausstellte, konnte mit diesem Schritt der Unterhalt und die Reparaturen an den ETR-470-Zügen von Cisalpino nicht mehr gewährleistet werden, was natürlich umgehend zu nochmals vermehrten Zugausfällen und Verspätungen führte. Um der Situation entgegenzuwirken, stellte Cisalpino innert Tagen in Milano Greco ein Team von insgesamt dreissig Personen zusammen, das sich nun im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr um den Unterhalt der ETR 470 kümmert.

Die SBB hofft, beim italienischen Partner Verständnis zu finden für die Notwendigkeit einer raschen und nachhaltigen Verbesserung der Situation. Eine wesentliche Verlagerung des Grossunterhalts in die Schweiz wäre für die SBB eine Option; dafür brauchte es wie erwähnt eine Anpassung der vertraglichen Bestimmungen mit Italien.

Als unrealistisch erachtet die SBB eine komplette Stilllegung der ETR-470-Flotte, da die SBB selber nicht über genügend Rollmaterial verfügt, das zudem auch noch nach Italien verkehren könnte. Mit dem neuen Fahrplan wurde das Angebot für die Bahnkunden in der Schweiz erneut um 5,5 Prozent Zugkilometer ausgeweitet, womit die SBB auch bei der Auslastung des Rollmaterials an die Kapazitätsgrenzen stösst.

Verschärft werden die aktuellen Schwierigkeiten dadurch, dass die neuen Cisalpino-Züge des Typs ETR 610 entgegen der Abmachungen mit der Industrie nach wie vor nicht zur Verfügung stehen. SBB und Cisalpino warten inzwischen seit über zwei Jahren auf diese neuen, leistungsfähigen Züge.

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