SBB und Luzerner Behörden favorisieren Tiefbahnhof.

Für SBB sowie Kanton und Stadt Luzern ist ein Tiefbahnhof mit direkter Zufahrt ab Ebikon die beste Ausbauvariante, um künftige Engpässe bei der Zufahrt zum Bahnhof Luzern zu beheben. Dies ergab eine Evaluation von vier Ausbauvarianten. Die Variante Tiefbahnhof bietet am meisten zusätzliche Kapazitäten und erlaubt weitere Ausbauschritte. Das Projekt ist jedoch nur realisierbar, wenn Bund, Kantone und SBB die Finanzierung sicherstellen können. Zudem müssen die Planungsarbeiten vertieft werden.

Immer mehr Menschen reisen mit der Bahn. Seit der Einführung von Bahn 2000 im Dezember 2004 verzeichnet die SBB einen Kundenzuwachs von 30 Prozent. Damit übertrifft die Entwicklung die ursprüngliche Planung von 12 Prozent um mehr als das Doppelte. Bis 2030 gehen die Experten von einem weiteren Anstieg der Gesamtzunahme in der Grössenordnung von 50 Prozent aus.

Diese Entwicklungen sind auch in der Zentralschweiz spürbar, speziell in Luzern. Die Zufahrtsanlagen des Bahnhofs Luzern lassen jedoch mittlerweile keinen substanziellen Angebotsausbau mehr zu. Als Engpass erweist sich nicht nur die Einspurstrecke am Rotsee, sondern auch die Zufahrt zum Bahnhof Luzern. Die SBB haben deshalb vier Ausbauvarianten hinsichtlich der neusten Nachfrageprognosen geprüft. Die Resultate präsentierte sie heute Morgen an einer Medienkonferenz gemeinsam mit den Behörden von Stadt und Kanton Luzern sowie der Kantone Ob- und Nidwalden.

Favorit für SBB, Kantone und Stadt ist die so genannte Variante «Rotsee kurz». Diese sieht ab Ebikon einen doppelspurigen Tunnel vor, welcher den Vierwaldstättersee unterquert und direkt in einen neuen Tiefbahnhof führt, welcher unter dem bestehenden Bahnhof Luzern liegt. «Die Linienführung hat den Vorteil, dass sie die heute stark befahrene Bahnhofeinfahrt entlastet», sagte der Luzerner Stadtrat und Baudirektor Kurt Bieder. «Dies ermöglicht es, das S-Bahnsystem auszubauen und Richtung Emmen und Rontal zu optimieren.»

«Die Fahrzeit für Züge zwischen Zug und Luzern würde sich dank der direkteren Verbindung um vier Minuten verkürzen und die Einschränkungen auf den Zugsbetrieb wären während des Baus geringer als bei den anderen drei Varianten», erklärte Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur. «Wichtigster Punkt ist jedoch, dass die Variante in späteren Schritten weitere Ausbauoptionen bietet, beispielsweise den Ausbau des Tiefbahnhofs zu einem Durchgangsbahnhof.»

Als weitere Varianten prüfte die SBB ein zweites Gleis entlang des Rotsees, ein zweites Gleis entlang des Rotsees mit Verbindungsschleife Richtung Emmenbrücke sowie einen zusätzlichen Doppelspurtunnel entlang des Rotsees bis zum Bahnhof. Die ersten beiden Varianten entlasten zwar die Rotseestrecke, lassen sich jedoch nur mit massiven, kostspieligen Ausbauten bei der Zufahrt zum Bahnhof realisieren. Zudem bieten sie keine Ausbaumöglichkeiten.

Die dritte Variante, ein zusätzlicher Doppelspurtunnel entlang des Rotsees bis zum Bahnhof, bringt im Vergleich zum Tiefbahnhof keine Fahrzeitreduzierung. Die Arbeiten würden zudem länger dauern, wären kostenintensiver und könnten nicht ohne erhebliche Angebotseinschränkungen vorgenommen werden. Ausserdem müsste die ZentralbahnLink öffnet in neuem Fenster. wegen der zusätzlichen Zügen aus der Bahnhofshalle verlegt werden.

In einem nächsten Schritt müssen die Planungsarbeiten vertieft werden. Laut ersten groben Schätzungen belaufen sich die Kosten auf deutlich mehr als 1 Mia. Franken. Das bedeutet, der Tiefbahnhof kann nur realisiert werden, wenn Bund, Kantone und SBB einen entsprechenden Finanzierungsschlüssel finden können. Für eine genauere Kostenschätzung müssen insbesondere die geologischen Verhältnisse vertieft überprüft werden. Massgebend werden auch allfällige Auflagen der Genehmigungsbehörden sein.

«Ich bin überzeugt, dass wir heute an einem entscheidenden Punkt angelangt sind», sagte Regierungspräsident Max Pfister, Vorsteher Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern. «Die Zentralschweiz steht hinter einer solchen Lösung, und ich bin mir bewusst, dass von den interessierten Kantonen und der Stadt Luzern ein wesentlicher finanzieller Beitrag zu leisten ist.»

Alle Beteiligten betonten zudem die Wichtigkeit des Zimmerberg-Basistunnels II. Dessen Realisierung und Finanzierung werden Bundesrat und Parlament im Rahmen des nationalen Bahnausbauprogramms 2030 prüfen. Er ermöglicht zusammen mit dem Tiefbahnhof und dessen direkter Zufahrt ab Ebikon auf der Strecke Zürich und Luzern eine signifikante Angebotsverbesserung.

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