Wertvolle Erkenntnisse dank Kundenlenker-Versuch bei der S-Bahn Zürich.

Die SBB hat die Daten aus dem vierwöchigen Kundenlenker-Versuch im November 2008 ausgewertet. Die Präsenz der Kundenlenker wurde von den Fahrgästen geschätzt. Der Versuch konnte jedoch die hohe Pünktlichkeit im Zürcher S-Bahn-Verkehr nicht weiter steigern. Vor dem Hintergrund stetig steigender Fahrgastzahlen konnten aber wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden.

Der Pilotversuch mit Kundenlenkern wurde wegen folgender Entwicklungen gestartet: Die Zahl der S-Bahn-Fahrgäste im Kerngebiet Zürich ist allein in den vergangenen zehn Jahren werktags von 220 000 auf 383 000 gestiegen. Das entspricht einem Wachstum von über 75 Prozent. Die SBB sieht sich darum mit zunehmenden Kapazitätsengpässen konfrontiert, die sich bis zur Eröffnung der Durchmesserlinie (DML) in den Jahren 2013/2015 weiter akzentuieren werden. Das dicht befahrene Netz bringt es mit sich, dass Verspätungen in den Stadtzürcher Bahnhöfen Stadelhofen und Museumstrasse – einem Handorgeleffekt gleich – Auswirkungen auf den gesamten S-Bahn-Verkehr haben können. Ausserdem ist die Auslastung der Züge gestiegen. Das bedeutet, dass die Sitzplatzsuche in den Stosszeiten länger dauern kann.

Vor diesem Hintergrund prüft die SBB gemeinsam mit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) verschiedene Massnahmen, um das hohe Niveau der Pünktlichkeit auch bis zur Eröffnung der DML zu halten und den Komfort für die Fahrgäste weiterhin zu garantieren. Eine dieser Massnahmen war ein Pilotversuch mit Kundenlenkern.

Vom 3. bis 28. November 2008 waren von Montag bis Freitag je sechs Kundenlenkerinnen und Kundenlenker auf den Perrons der Zürcher Bahnhöfe Museumstrasse und Stadelhofen im Einsatz. In den abendlichen Stosszeiten wiesen die in gelbe Warnwesten gekleideten Zugchefs der S-Bahn Zürich die Fahrgäste auf freie Sitzplätze hin, ermunterten sie zu raschem Ein- und Aussteigen. Ziel war es, den Komfort und die Pünktlichkeit der S-Bahn zu erhöhen.

Die Präsenz der Kundenlenkerinnen und Kundenlenker auf den Perrons wurde grundsätzlich geschätzt. Während des Versuches informierten die S-Bahn-Profis der SBB häufig über Anschlüsse, hoben Kinderwagen in die Züge und waren Behinderten behilflich.

Das Ziel, die Reisenden auf freie Türen (und freie Sitzplätze) zu lenken, damit den Fahrgastwechsel zu beschleunigen und so die Pünktlichkeit weiter zu erhöhen, wurde verfehlt. Die Kundinnen und Kunden scheinen ihren bevorzugten Einstiegsort zu haben. Gründe dafür können verlängerte Gehdistanzen und knappe Anschlüsse am Zielort sein.

Bis zur schrittweisen Eröffnung der DML in den Jahren 2013/2015 sieht die SBB aufgrund der Erkenntnisse aus diesem Versuch Potenzial in folgenden Massnahmen:

  • Verbesserte Kundeninformation in den Zügen und auf den Perrons. Entsprechende Massnahmen sind bereits ergriffen, wie etwa die Echtzeitinformation in den Zügen mit Angaben zu Abfahrtszeit und -gleis. Geplant ist beispielsweise im Herbst ein Versuch mit wagengenauen Anzeigen, die präziser über den Haltepunkt einzelner Wagen informieren. Diese verschiedenen Massnahmen sollen einen schnelleren Fahrgastwechsel ermöglichen;
  • konsequentere Anwendung der Zwangstürschliessung (keine Verletzungsgefahr!) mit ihren vorgängigen optischen und akustischen Signalen, um zu verhindern, dass Trittbrettblockierer die Abfahrt des Zuges verhindern;
  • verstärkte Sensibilisierung dafür, dass Velos während der Hauptverkehrszeiten nicht in der S-Bahn transportiert werden dürfen.

Der Versuch hat gezeigt, dass es für zu lange Haltezeiten und damit verspätete S-Bahn-Züge mehrere Ursachen, aber keine isolierte Patentlösung gibt. In enger Zusammenarbeit mit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) geht es weiterhin darum, die Pünktlichkeit der S-Bahn Zürich auf hohem Niveau zu halten und den Komfort zu steigern. Diese Aufgabe wird dadurch erschwert, dass das System S-Bahn Zürich zu den Hauptverkehrszeiten an seinen Grenzen angelangt ist, die Fahrgastzahlen weiter ansteigen und es bis zur Eröffnung der gesamten Durchmesserlinie noch über sechs Jahre dauern wird.

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