Leistungsschwankungen sorgten für Stromversorgungsunterbruch im Tessin.

Am 11. August fiel um 12.30 Uhr während rund einer Stunde die Stromversorgung auf dem SBB Schienennetz im Kanton Tessin aus. Grund für den Unterbruch waren mehrere gleichzeitig auftretende Ereignisse, die in ihrer Kombination zu grossen Frequenzschwankungen und in der Folge zur automatischen Abschaltung der Stromversorgung führten.

Die Ursache für den Stromunterbruch im Tessin vom 11. August ist geklärt. Zum Zeitpunkt des Stromunterbruchs wurde das Tessin als so genannte Strominsel betrieben, da die 132-Kilovolt-Leitung zur Stromübertragung aus der Deutschschweiz wegen geplanten Wartungsarbeiten bereits seit den Morgenstunden abgeschaltet war. Dieser Inselbetrieb im Tessin ist ein bekannter Vorgang, der einige Male pro Jahr stattfindet.

Zum Zeitpunkt der auftretenden Schwankungen in der Stromversorgung ab zirka 11.30 Uhr war die Netzbelastung, das heisst der Strombezug von Lokomotiven, äusserst gering, teilweise sogar negativ. Dies, weil talwärts fahrende Lokomotiven Strom produzierten und diesen in die Fahrleitung zurückführten. Gleichzeitig traten im örtlichen Wasserkraftwerk Ritom mehrmals Schwankungen in der Druckleitung auf, wodurch die Steuerungsmöglichkeit des Kraftwerks eingeschränkt wurde. Trotz manuellen Eingriffen ab der Zentralen Leitstelle Energie in Zollikofen sorgte die Summe der auftretenden Ereignisse innerhalb des Inselbetriebs für starke Leistungs- und Frequenzschwankungen in der Bahnstromversorgung. Die grossen Abweichungen von den Normwerten lösten aus Sicherheitsgründen die automatische Abschaltung des SBB Frequenzumformerwerks Giubiasco und des Wasserkraftwerks Ritom aus.

Die um 8.00 Uhr morgens begonnenen Wartungsarbeiten an der 132-Kilovolt-Übertragungsleitung wurden sofort abgebrochen und die Leitung zur Wiedereinschaltung vorbereitet. Der Inselbetrieb im Tessin wurde wieder aufgebaut; ab 13.30 Uhr konnte der Bahnbetrieb sukzessive wieder aufgenommen werden.

Als Sofortmassnahme hat die SBB an den Steuerungselementen und Kontrolleinrichtungen der Kraftwerke Anpassungen vorgenommen, die ein stabileres Verhalten der Stromversorgung bei einem Inselbetrieb gewährleisten.

Die SBB bedauern die für die Kundinnen und Kunden entstandenen Unannehmlichkeiten sehr. Vier Züge blieben auf der Strecke stehen. Drei davon wurden durch die SBB Betriebswehr abgeschleppt und in nahe gelegene Bahnhöfe gezogen; ein Zug konnte seine Fahrt nach dem Unterbruch selbständig fortsetzen.

Der kurzzeitig aufgetretene Stromversorgungsunterbruch im Tessin ist weder von der Art noch von der Ursache her mit der Strompanne von 2005 vergleichbar. Damals führten grosse Leistungsflüsse zur Überlast und Abschaltung einzelner Übertragungsleitungen.

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