Die SBB erzielte 2009 insgesamt gute Resultate. Das Unternehmen steht vor grossen Herausforderungen.

Die SBB übertraf 2009 die operativen Ziele: Bei Pünktlichkeit/Qualität und Sicherheit wurden Rekordwerte erreicht. Auch das finanzielle Ergebnis fiel mit CHF 369,8 Mio. erfreulich aus, doch gaben hier nicht wiederkehrende Effekte – namentlich Erlöse von CHF 239,3 Mio. aus dem Verkauf von Immobilien – den Ausschlag für das gute Resultat. 2009 reisten 327,5 Mio. Menschen mit der SBB, 1,5 % mehr als im Vorjahr. Die Verkehrsleistung von SBB Cargo reduzierte sich um 7,0 % auf 11'674 Mio. Nettotonnenkilometer. Die SBB steht vor grossen Herausforderungen, um der wachsenden Kundennachfrage im Personenverkehr auch in Zukunft zu entsprechen. Trotz Fortschritten belasten die schwierigen Dossiers der Sanierung der PK SBB und der Neuausrichtung von SBB Cargo Unternehmen und Beschäftigte in hohem Masse.

Ziel der SBB ist es, das Unternehmen im Rahmen eines nachhaltigen Gleichgewichts von Pünktlichkeit/Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit für die täglich 900'000 Kundinnen und Kunden weiter zu entwickeln. 2009 vermochte sich die SBB dank anspruchsvoller Ziele und kontinuierliche Verbesserungsprozesse zu steigern: Alle drei operativen Konzernziele wurden übertroffen.

Verbesserung der Pünktlichkeit

Ein ergänzendes Ziel indes wurde knapp verpasst: 97,2 % aller Anschlüsse konnten 2009 gewährleistet werden (2008: 97,2 %). Die Zielvorgabe lag bei 97,4 %. Für 2010 sind daher zusätzliche Massnahmen geplant, um die Gewährleistung der Anschlüsse weiter zu verbessern.

Verbesserungen bei der Sicherheit

Auch die Zahl der Tätlichkeiten gegen das Personal lag um 16 % tiefer. Allerdings steigt bei den Angriffen auf SBB-Mitarbeitende die Gewaltbereitschaft der zumeist jugendlichen Täter. Die Vorfälle gegenüber den Fahrgästen reduzierten sich deutlich und gingen auf das Niveau des Jahres 2005 zurück. Die SBB Transportpolizei und weitere präventive Massnahmen wurden verstärkt.  

Die Sicherheit hat bei der SBB höchste Priorität: In diesem Bereich gibt es auch in der Zukunft keine Kompromisse.

Gutes Konzernergebnis auch dank nicht wiederkehrender Erträge

Das Jahresergebnis ist  wesentlich zurückzuführen einerseits auf eine gute Vorbereitung auf das wirtschaftlich schwierige Jahr (frühzeitige Anpassung der Kapazitäten, differenzierter Einstellungsstopp etc.) und andererseits auf nicht wiederkehrende Verkaufserfolge im Immobilienbereich im Umfang von CHF 239,3 Mio., das sind CHF 111,8 Mio. mehr als im Vorjahr. Ohne die Erlöse aus Anlageverkäufen wäre das operative Ergebnis der SBB 2009 mit CHF 122,8 Mio. um 38,4 % tiefer ausgefallen als im Vorjahr (CHF 199,4 Mio.). Namentlich die Segmentergebnisse von SBB Cargo wegen Auswirkungen der Wirtschaftskrise und Infrastruktur wegen zusätzlichem Unterhalt liegen erheblich unter dem Vorjahr.

Das positive Jahresergebnis ist angesichts der absehbaren finanziellen Engpässe dringend nötig und hilft mit, die grossen Herausforderungen der kommenden Jahre zu meistern.

Die Leistungen der öffentlichen Hand für die SBB beliefen sich 2009 auf CHF 2674,1 Mio., CHF 123,8 Mio. mehr als im Vorjahr. Darin inbegriffen sind die CHF 150 Mio., die der Bund der SBB im Rahmen des Konjunkturförderungsprogramms 2009 zur Verfügung stellte.

Gewichtige Ausgaben, die für 2009 geplant waren, wurden – soweit sie nicht notwendig waren, um das hohe Sicherheits- und Qualitätsniveau zu halten – aufgrund der notwendigen Priorisierung der Investitionen im Berichtsjahr nicht getätigt und auf die kommenden Jahre verschoben.

Der Mittelzufluss aus der Betriebstätigkeit reichte auch 2009 nicht aus, um die Mittel für die Investitionstätigkeit bereitzustellen. Der negative Free Cash Flow belief sich 2009 auf CHF -260,7 Mio.; im Vorjahr hatte er CHF -505,4 Mio. betragen. Dadurch erhöhte sich die Verschuldung der SBB.

Bereits 2010 stehen mit Rollmaterialinvestitionen von CHF 1 Mia., dem 2010 vom Unternehmen geleisteten zusätzlichen Sanierungsbeitrag an die Pensionskasse SBB von CHF 938 Mio. sowie mit wiederkehrenden zusätzlichen Arbeitgeberbeiträgen an die Pensionskassen-Sanierung von jährlich CHF 31 Mio. Mehrbelastungen im Umfang von über CHF 2 Mia. an, welche die SBB schwer belasten.

Mehr Mitarbeitende

Resultate der Segmente

Personenverkehr

Insgesamt fuhren im Berichtsjahr 327,5 Mio. Reisende mit der SBB. Das sind 1,5 % mehr als im Vorjahr (322,6 Mio.). Im Vorjahr hatte die Zahl der Reisenden um 5,2 % zugenommen. 2009 reisten täglich 900'000 Menschen mit der SBB. Die Zahl der zurückgelegten Personenkilometer belief sich auf 16’677 Mio. Damit wurde die Verkehrsleistung gegenüber dem Vorjahr um 3,5 % gesteigert (2008: 16’115 Mio.).

Die SBB erzielte im Personenverkehr ein Segmentergebnis von CHF 280,6 Mio. (2008: CHF 276,8 Mio.), der Verkehrsertrag betrug CHF 2’724,8 Mio. (2008: CHF 2’670,4 Mio.).

SBB Cargo

SBB Cargo verzeichnete 2009 im internationalen Geschäft einen Rückgang der Transporterlöse von 15 %. Im inländischen Wagenladungsverkehr gingen die Transporterlöse um 9 % zurück.

SBB Cargo schloss das Berichtsjahr 2009 mit einem Verlust von CHF 62,5 Mio. ab. Im Vorjahr hatte das Defizit CHF 29,9 Mio. betragen. Der Verkehrsertrag sank als Folge der Wirtschaftskrise um 12,3 % auf CHF 915,6 Mio. (2008: CHF 1'044,2 Mio.).

Immobilienmarkt

Bei den Mieterträgen in den Railcity-Standorten vermochte die SBB 2009 im Gegensatz zu den Vorjahren nicht zuzulegen. Die Umsätze in den Laden- und Gastronomiegeschäften in den Railcity-Bahnhöfen gingen um 0,1 % zurück. Der Rückgang ist durch konjunkturelle Einflüsse, aber auch mit Bauarbeiten an mehreren Railcity-Standorten zu erklären. Dank der positiven Umsatzentwicklung bei den 23 „Mehr Bahnhof“-Standorten nahmen die Umsätze in den insgesamt 32 grössten Bahnhöfen dennoch um 0,6 % zu. Pro Kopf der Bevölkerung erwirtschafteten die Geschäfte in den Bahnhöfen einen Jahresumsatz von rund CHF 190.

Das ausgewiesene Segmentergebnis von SBB Immobilien belief sich 2009 auf CHF 6,2 Mio. (2008: CHF 3,3 Mio.). Das Ergebnis vor Zins- und Amortisationsleistungen für die Sanierung der PK SBB (CHF 196,3 Mio.) sowie Ausgleichszahlungen an die Infrastruktur (CHF 85 Mio.) betrug CHF 287,4 Mio. (2008: CHF 204,4 Mio.).

Infrastruktur

Die Zahl der verkauften Trassenkilometer nahm 2009 um 1,8 % zu auf 161,6 Mio. Tkm zu (2008: 158,7 Mio. Tkm). Zusätzliche Angebote im Fernverkehr sowie in der Zürcher S-Bahn und in der Zentralschweiz bewirkten diesen Mehrverkehr. Gleichzeitig führte der Rückgang schwerer Güterverkehre aber zu Mindereinnahmen beim Trassenverkauf.

Im Geschäftsfeld Netz fiel das Jahresergebnis mit CHF -23,7 Mio. wiederum negativ aus (2008: CHF -10,1 Mio.). Dies wurde 2009 bewusst in Kauf genommen, um die Qualität und Sicherheit im hoch belasteten Netz zu halten. Die tieferen Trassenerträge durch den Rückgang beim Güterverkehr und die entsprechend rückläufigen Trassenpreissubventionen des Bundes wurden weitgehend durch Produktivitätssteigerungen und Einsparungen bei sonstigen Betriebsaufwänden kompensiert. Verschiedene Sondereffekte (Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Optimierungsprogramm zur Kostenreduktion im Verwaltungsbereich der Infrastruktur und der Reorganisation des Rangierbereichs) belasteten das Ergebnis.

Der Geschäftsbereich Energie schloss mit einem Gewinn von CHF 17,2 Mio. (2008: CHF 40,5 Mio.) ab. Die tieferen Erträge und Aufwendungen in diesem Bereich sind auf die wesentlich tieferen Handelspreise am Energiemarkt zurückzuführen.

Der Bahnstromabsatz belief sich 2009 auf 2391 GWh (2008: 2407 GWh). Die SBB bezog auch 2009 rund 70 % ihrs Bahnstroms aus Wasserkraft.

Unternehmen und Politik sind gefordert

Damit der festgestellte Mehrbedarf finanziert werden kann, sind grosse Anstrengungen aller Beteiligter unerlässlich. Die SBB wird einen namhaften Beitrag zur Deckung des Mehrbedarfs zu leisten haben, indem sie die Produktivität weiter steigert. Die öffentliche Hand wird ihre Beträge zur Deckung der Mehrkosten für die Substanzerhaltung erhöhen müssen. Aber auch die Bahnkundinnen und -kunden werden sich vermutlich via höherer Billettpreise an den absehbaren Kosten beteiligen müssen. Dabei ist sicherzustellen, dass Bahn fahren attraktiv bleibt und dass der Modalsplit nicht zu ungunsten der Bahn verschoben wird.

grenzenlose Mobilität

negativen Free Cash Flow

Pensionskasse SBB

Die SBB bewegt die Schweiz

Gleichzeitig leistet das Unternehmen auch einen wesentlichen Beitrag für Natur und Umwelt. Verglichen mit Auto oder Flugzeug verbrauchen Bahnreisende lediglich einen Viertel der Energie und verursachen gleichzeitig zwanzigmal weniger CO2-Emissionen. Entsprechend gross ist der Umweltvorteil auch im Güterverkehr, wo 2009 dank SBB Cargo die Emission von knapp 1 Mio. Tonnen CO2 vermieden werden konnte.

Im Interesse des Landes und seiner Bevölkerung muss sicher gestellt werden, dass die SBB diese zentralen Aufgaben auch weiterhin erfolgreich erfüllen kann.

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