Kein Zusammenhang zwischen Entgleisungen in Luzern und Bern – SBB prüft dennoch Massnahmen.

Zwischen den Entgleisungen zweier Züge innert Wochenfrist Ende März 2017 gibt es keinen Zusammenhang. Die Ursache der Entgleisung in Luzern ist noch unklar. In Bern weist alles auf einen Ermüdungsbruch der Weichenzungenschiene hin. Die SBB prüft nun, ob mit zusätzlichen Massnahmen die Früh-erkennung von Schäden weiter verbessert werden kann.

Heute Montag, 8. Mai, hat die SBB die Medien in Bern über den aktuellen Stand der ihrer Untersuchungen und derjenigen der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (SUST) zu den Entgleisungen eines Eurocity-Zugs von Trenitalia im Bahnhof Luzern am 22. März und einer S-Bahn der BLS im Bahnhof Bern am 29. März informiert. Die Abklärungen der SUST sind noch nicht abgeschlossen. Der Grund der Entgleisung in Luzern ist nach wie vor unklar. SUST und SBB gehen nach heutigem Kenntnisstand von einer seltenen Verkettung von Elementen aus, die für sich alleine nicht zu einer Entgleisung führen würden. Es lag kein Schienenbruch vor.

In Bern weist alles auf einen Ermüdungsbruch im Fuss der Weichenzungenschiene als Ursache hin. Es ist das erste Mal, dass ein solcher Defekt auf dem Netz der SBB zu einer Entgleisung geführt hat. Nach den bisherigen Untersuchungen ist klar: Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Entgleisungen in Luzern und Bern; es sind zwei zeitlich nah zusammenliegende Einzelfälle. Die SBB möchte sich noch einmal bei ihren Kunden und Partnern für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen. Sicherheit hat für die SBB oberste Priorität. Trotz den beiden Unfällen bleibt die Bahn das sicherste Verkehrsmittel der Schweiz.

Weichen der SBB sind sehr zuverlässig.

Die Weichenzunge ist der bewegliche Teil der Weiche, der die Fahrrichtung bestimmt. Weil sie ein flexibles Bauteil ist, ist die Weichenzunge bei der Überfahrt eines Zuges auch bei einer Maximalgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde im Bahnhofbereich grossen Belastungen ausgesetzt. Trotz der hohen Belastung an den 12 749 Weichen bei total 800 000 Weichenüberfahrten pro Tag und bis zu 380 Fahrten über die meistgenutzten Weichen kommen Weichenstörungen, welche die Fahrbahn betreffen, äusserst selten vor.

Trotz der hohen Zuverlässigkeit ihrer Weichen prüft die SBB zusätzliche Massnahmen, um die Früherkennung von Schäden weiter zu verbessern. Die Ultraschallprüfungen, welche die SBB bei Bahnhofweichen mindestens jährlich ausführt, erfolgen bisher von oben nach unten. Die SBB analysiert nun, ob mit Ultraschallprüfungen auch von der Seite Ermüdungsbrüche im Schienenfuss diagnostiziert werden könnten. Zudem untersucht die SBB, ob neuralgische Bahnhofweichen künftig auch maschinell mit dem Diagnosefahrzeug geprüft werden können. Der Vorteil einer solchen dynamischen Überwachung ist, dass die Weiche dabei belastet ist und die Prüfung somit unter «realen» Bedingungen erfolgt. Auf Basis dieser Analysen entscheidet die SBB Ende Jahr, ob die Überwachung angepasst wird.

Schleif- und Stopfmengen seit 2008 vervierfacht.

Die SBB unterhält ihre Infrastruktur vermehrt präventiv und vorausschauend. Zum Beispiel hat die SBB 2016 2033 Kilometer Schienen geschliffen; das sind 589 km oder 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Ausserdem hat 2016 die SBB 641 Kilometer Gleis gestopft (+111 Kilometer gegenüber dem Vorjahr). Seit 2008 hat die SBB die Schleif- und Stopfmengen vervierfacht. Dank des präventiven Unterhalts müssen die Schienen und Weichenbauteile in Zukunft weniger häufig ausgewechselt werden. Diese Strategie zeigt Wirkung: Die Anzahl Schienenfehler reduzierte sich seit 2014 um 40 Prozent; die Mengen im kurativen Unterhalt sind seit 2012 konstant.

Mit der Leistungsvereinbarung (LV) 2017–2020 führt die SBB die notwendigen Unterhaltsmengen aus, um den Zustand der Bahninfrastruktur bis 2020 zu stabilisieren. Mit der darauffolgenden LV ist es das Ziel, die Erneuerungsmengen weiter zu erhöhen, um den Rückstand bis 2035 sukzessive abzubauen. Um dies zu gewährleisten, ist es wichtig, dass dem Unterhalt weiterhin Priorität vor dem Ausbau gegeben wird.

Netzzustand.

Die SBB kennt den Zustand ihrer Bahninfrastruktur seit dem Netzaudit von 2009 genau und weist ihn jährlich transparent im Netzzustandsbericht aus. Der Netzzustand der SBB ist mit einer Note von 2,7 auf einer Skala von 1 bis 5 gut bis ausreichend und hat sich aufgrund der Inbetriebnahme neuer Anlagen (insbesondere des Gotthard-Basistunnels) leicht verbessert.

Der netzweite Zustand der Fahrbahn, zu der auch die Weichen gehören, liegt bei 3,3 und damit knapp unter dem Soll von 3,1 und genau im Schweizer Branchenschnitt. Der Zustandsmittelwert aller Weichen ist ebenfalls gut bis ausreichend und liegt mit 3,0 genau im Soll. Allerdings entfallen rund 42 Prozent des Rückstandes von 4,9 Mrd. Franken auf die Fahrbahn.

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