Der Megalithweg ist Genuss für Körper und Geist.

Der Solothurner Megalithweg ist ein Genuss für Körper und Geist. Während eines ausgiebigen Waldspaziergangs gibt es immer wieder Natur- und Kulturdenkmäler zu entdecken. Der Spassfaktor ist dabei so hoch, dass selbst Wandermuffel auf ihre Kosten kommen. Von Oliver Loga

Das Wandern ist nicht unbedingt des Redaktors Lust. Zumindest nicht des Verfassers dieser Zeilen. Bereits zu Beginn des Solothurner Megalithwegs weicht die anfängliche Skepsis aber einer unwiderstehlichen Vorfreude. Kein Wunder, schliesslich bietet das Schloss Waldegg als Startpunkt ein fürstliches Ambiente. Doch die Reize der ehemaligen Sommerresidenz des Schultheissen Johann Viktor von Besenval geraten heute in den Hintergrund. Auf der Agenda stehen nämlich keine gemauerten, sondern riesige, frei liegende Steine, sogenannte Findlinge oder Megalithe.

Die Wälder um Solothurn beherbergen zahlreiche solche erratische Blöcke, wie Findlinge auch noch genannt werden. Meist bestehen sie aus Granit und wurden im Laufe der letzten Eiszeiten vom Rhonegletscher aus den Walliser Alpen hierher transportiert. Megalithe gelten nicht nur als Natur-, sondern auch als Kulturdenkmäler, weil sie mutmasslich von Menschen der Vorzeit als Kult- und Grabanlagen sowie für astronomische Beobachtungen genutzt wurden. Die in West- und Nordeuropa errichteten Megalithbauten stammen alle aus der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit.

Rutschbahn verspricht Kindersegen

Inmitten eines alleeartigen, breiten Weges beginnt die Suche nach den imposanten, felsartigen Gesteinsbrocken. 13 davon befinden sich auf dem Megalithweg. Hinweisschilder sowie weisse Rhomben und Pfeile an Bäumen geben die Richtung vor. Es empfiehlt sich, auf diese zu achten. Der Weg führt immer tiefer in den Wald auf immer schmaler werdenden, teilweise dicht bewachsenen Pfaden, durch die man sich seinen Weg bahnen muss. Ein Hauch von Indiana-Jones-Abenteuer weht durch das 
Dickicht. Mit dem kleinen Unterschied, dass es hier weder um einen verlorenen Schatz noch um einen Kristallschädel geht.

Die Findlinge scheinen gut versteckt zu sein und sind nicht leicht zu finden. Längst ist das Schloss Wald­egg ausser Sichtweite und noch immer keine Spur von Megalithen. Dabei dürften die gewaltigen Klötze kaum zu übersehen sein. Dann ist es endlich so weit: der «Rütschlistein» ist in Sichtweite, die Nummer 1 unter den 13 Natur- und Kulturdenkmälern – zumindest was die Reihenfolge auf dem Rundweg angeht. Ähnlich interessant wie der Anblick ist die Erklärung zu dem Rutschstein. Diese ist zwar nicht in Stein gemeisselt, dafür aber auf einer Tafel nachzulesen: «Rutschsteine gehören in die Kategorie der Kindlisteine. Nach der Legende rutschten Frauen mit Kinderwunsch auf diesen Steinen herunter. Dies geht auf den jungsteinzeitlichen Glauben zurück, dass durch die Berührung mit dem Stein eine Kinderseele empfangen werden kann.» Mittlerweile scheint der Findling aber eher als Grillplatz genutzt zu werden.

 

Keine Seele weit und breit

Die zweite Station lässt nicht lange auf sich warten. Es handelt sich um Steinsetzungen mit astronomischer Ausrichtung. Zwei Blöcke bilden 
einen rechten Winkel, der auf die nördliche respektive südliche Grosse Mondwende hinweist. Gedankenverloren geht es weiter. Es duftet herrlich nach Tannennadeln. Sonnenstrahlen haben den Kampf gegen die Wolken gewonnen und tauchen den Wald in ein goldenes Licht. Die Stille wird nur von Vogelgezwitscher und gelegentlichem Hämmern von Spechten unterbrochen. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen.

Dafür gibt es plötzlich unerwartete Gesellschaft vom «Abris» (Nr. 4) und der «Höhle» (Nr. 5). Die Felswände, die früher Menschen Unterschlupf geboten haben, sind zwar nett anzusehen, aber wo ist Megalith Nummer 3 geblieben?

Pyramiden und ein Matterhorn

Ein Blick auf die Karte und mehrere Abzweigungen zurück führen zum Ziel. Der grosse Umweg war die Mühe wert. Ein gewaltiger erratischer Block ruht auf einem Kalksteinsockel. Die beiden Steinblöcke erinnern an Panzer, Hals und Kopf einer überdimensionalen Schildkröte. Ein Schelm, wer angesichts dieser erstaunlichen Zusammensetzung vermutet, dass hier Menschenhände nachgeholfen haben.

Es bleibt aber nicht nur bei «versteinerten Schildkröten». Auf dem Megalithweg trifft man auch auf «Pyramiden», «Frösche» und sogar auf ein «Chli Matterhorn». Dieser Findling ähnelt nicht nur in seiner Gestalt dem berühmten Berg, sondern stammt auch aus den südlichen Walliser Tälern. Mit dem kleinen Matterhorn endet der erste Teil des Rundgangs.

Wem der Weg nach acht Stationen zu steinig geworden ist und wer nach den zahlreichen Steigungen und Abstiegen wie eine Dampflok schnaubt, kann nun zum Ausgangspunkt zurück oder in das Restaurant Pintli einkehren. Hartgesottene können aber auch direkt die letzten fünf Findlinge erkunden. Es lohnt sich auch für vermeintliche Wandermuffel. Das Wandern ist eben doch des Redaktors Lust, zumindest auf dem Solothurner Megalithweg.

Findlinge finden in Solothurns Wäldern

  • Route: Start Megalithweg beim Parkplatz Schloss Waldegg (Busstation «St. Niklaus»). Weissen Richtungszeigern mit Routenfeld-kleber «Solothurner Megalithweg» und weissen Rhomben / Pfeilen folgen. Route umfasst 13 Stationen, in zwei Teilstrecken absolvierbar (Stationen 1 – 8 und 9 – 13)
  • Dauer: ca. 4 Stunden für gesamten Rundweg (mit Verweilzeit an den Stationen)
  • Anforderung: Leicht
  • Infos / Wegführer: Der Flyer «Solothurner Megalithweg» ist gratis erhältlich im Museum Schloss Waldegg, im Steinmuseum Solothurn, bei Solothurn Tourismus  sowie online auf www.steinmuseum.ch  und www.solothurn-city.ch
  • Restaurant Pintli: Sylvia Aebi und  Stephan Zumbach, St. Niklaus SO,  Tel. 032 622 16 04, www.pintli.com (nach ungefähr der Hälfte der Route)
  • Bemerkungen: Der Megalithweg befindet sich im Wald der Bürgergemeinde Solothurn. Er wurde vom Verein der Solothurner Steinfreunde eingerichtet.

Wie komme ich hin?

Anreise  (Umsteigen in Olten 
und Solothurn, Stundentakt)

Basel SBB ab    9.04 Uhr

St. Niklaus SO (Bus) an   10.28 Uhr
 

Rückreise (Umsteigen in Solothurn 
und Olten, Halbstundentakt)

St. Niklaus SO (Bus) ab  15.41 Uhr

Basel SBB an    16.55 Uhr
 

Billettpreis 2. Klasse ab Basel SBB

Halbtax CHF 32.60 
Erwachsene CHF 65.20 
Junior- /  Mitfahrkarte gültig

Spartipp: U-Abo-Besitzer reisen günstiger via Moutier–Solothurn und lösen das Billett ab Laufen.


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